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Wann ist man zu alt für einen Jobwechsel?

von Volker Klärchen | 29. Juni 2021

Sie ist 36 Jahre jung.

Und sie ist keine Ausnahme. Solche Sätze höre ich von fast allen meinen Kunden. Sie alle tragen diese diffuse Angst in sich: Ich bin zu alt, um noch mal etwas Neues zu finden.

Zu alt. Mit Mitte 30.

Und es hört nicht auf, mich traurig zu machen. Jedes Mal.

Denn es ist schlicht nicht wahr.

Doch es reicht nicht, das einfach nur zu sagen. Dieser Glaubenssatz ist so tief verwurzelt, dass viele Menschen ihn nicht mehr loslassen können. Sie krallen sich geradezu daran fest. Denn schließlich weiß „man“ ja, dass das so ist. Und das sagen doch auch „alle“. Und das steht auch „überall“.

Doch Vorsicht: Die stärkste Lüge von allen ist die, die wir uns selbst erzählen.

Natürlich ist es manchmal schwierig, einen neuen Job zu finden. Da wir von den Unternehmen keinerlei ernsthaftes Feedback mehr erhalten, steht man als Bewerber allein da und muss sich selbst eine Erklärung zurechtbasteln.

„Ich habe studiert, ich habe praktische Erfahrung, ich habe Erfolge vorzuweisen – trotzdem finde ich keinen Job. Dann kann es nur das Alter sein.“

Diese Erklärung ist naheliegend, einfach – und falsch.

Mein bisher ältester Kunde war 59 – und konnte aus mehreren Zusagen auswählen. Ein Zufallstreffer? Ganz im Gegenteil!

Denn das ist doch genau das, was ich an meinem Job so liebe: Zu mir kommen Menschen, die manchmal verzweifelt sind. Die sich für zu alt, zu langweilig, zu problematisch halten.

Dann gehen wir gemeinsam ihren Lebensweg durch, und plötzlich legt sich ein Schalter um. Sie beginnen, ihre eigene Geschichte mit neuen Augen zu sehen. Und sie verstehen, dass nicht das Alter das Problem war, sondern etwas ganz anderes.

Wie viele längst aufgegebene Träume habe ich für meine Kunden wieder zum Leben erweckt?

Das Alter ist nur eine Zahl und sagt nichts aus. Ich kenne Menschen, die haben schon mit Anfang 30 alt gewirkt. Und ich kenne Menschen, denen ich noch mit 60+ zutrauen würde, noch mal etwas ganz Neues zu machen.

Kennen Sie solche Menschen auch? Dann verrate ich Ihnen was: Das geht den Firmen nicht anders. Die wissen das auch.

Natürlich gibt es Unternehmen, die sich auf die Fahne geschrieben haben, „jung und dynamisch“ zu sein. Aber nur, weil es die auch gibt, heißt das nicht, dass es nur das gibt. Das wäre auch eine fürchterliche Vergeudung.

Mehr Berufserfahrung ist oft ein Vorteil. Sprechen Sie mal mit Menschen, die gerade ihr Studium absolviert haben und jetzt händeringend versuchen, den Einstieg zu finden. Denen fehlt genau das.

Denn nach der formalen Ausbildung beginnt ein neuer Prozess: Erst durch die berufliche Praxis lernen wir uns selbst in unserer professionellen Rolle kennen. Beginnen zu verstehen, was wir wollen – und was wir nicht wollen. Wo unsere Stärken und Schwächen liegen. Und wir sammeln Erfahrungen, die man aus keinem Lehrbuch bekommen kann.

Nicht das Alter ist entscheidend, sondern die Erfahrung und – noch viel wichtiger – die eigene Einstellung.

Was wir selbst über uns denken ist entscheidend. Und das kann ich aus einer Bewerbung sofort herauslesen – zwischen den Zeilen. Eine Fähigkeit, mit der ich meine Kunden oft verblüffe.

Doch diese Einstellung lässt sich erst dann verändern, wenn wir bereit sind zu akzeptieren, dass es eben nicht um eine Zahl im Personalausweis geht. 

Das ist eine bequeme, aber falsche Lösung.

PS: Sie möchten wissen, was ich aus Ihren Unterlagen herauslese? Fragen Sie mich!


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