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Schwächen sind übertriebene Stärken

von Volker Klärchen | 9. Juli 2021

Zunächst mal wundern sich viele, warum man sich im Rahmen der Bewerbung überhaupt mit den eigenen Schwächen befassen sollte. Geht es nicht darum, sich möglichst positiv darzustellen? Und sich darauf zu konzentrieren, wo meine Stärken und Talenten liegen?

Absolut!

Doch auch die Frage nach den Schwächen ist berechtigt, denn sie bringt für beide Seiten einen Mehrwert - für das Unternehmen und den Bewerber. Und ich behaupte sogar, dem Bewerber nutzt es mehr.

Warum wird nach Schwächen gefragt?

Das Unternehmen möchte im Grunde nur wissen, ob der Mensch, der sich da gerade bewirbt, über ein gewisses Maß an Selbstreflexion verfügt. Wenn etwas schiefgeht, wo sucht er dann die Schuld? Auch mal bei sich, oder immer nur bei anderen?

Wir alle kennen Menschen in unserem Umfeld, die diese Fähigkeit nicht haben. Und das kann auf Dauer sehr anstrengend sein, oder?

Aus genau diesem Grund möchte die Firma wissen, ob Sie Ihre eigenen Schwächen kennen.

Und was haben Sie als Bewerber davon? Ganz einfach: Wer seine eigenen Stärken und Schwächen realistisch einschätzen kann, der kann aktiv dazu beitragen, einen wirklich passenden Job zu finden. Denn der weiß, was er will - und auch was er nicht will.

Fast nichts ist doch schlimmer, als in einem Job zu landen, in dem wir regelmäßig mit unseren eigenen Schwächen konfrontiert werden. Das ist für niemanden gut.

Die Sache mit den Stärken

Nun sind Schwächen von Natur aus gar nichts Schlimmes. Ich gehe sogar so weit und behaupte: Schwächen sind nichts anderes als übertriebene Stärken. Womit wir wieder bei der Karte in meinem Raum wären.

Denn alle Schwächen beginnen ihr Leben als eine Stärke, die dann aber immer extremer wird. Bis sie eines Tages in eine Schwäche umschlägt.

Wenn jemand gut mit seinem Geld haushalten kann und sehr darauf bedacht ist, nicht zu viel auszugeben, dann würde man das als Stärke bezeichnen. Und man würde von Sparsamkeit sprechen.

Was aber ist, wenn diese Sparsamkeit nicht auch ab und zu dem Genuss oder dem Vergnügen weichen würde? Wenn dieser Mensch anfängt, sich alle Freuden zu versagen, um nur ja kein Geld auszugeben – dann wird aus der Stärke eine Schwäche. Nämlich der Geiz.

Ein paar Beispiele, gefällig?

Mut ist mit Sicherheit eine Stärke. Doch ohne angemessene Vorsicht wird aus ihm Leichtsinn.

Gute Planung kann helfen, ein Ziel zu erreichen. Doch ohne Flexibilität erstarrt diese Stärke und wird zur Engstirnigkeit. ("Das haben wir aber schon immer so gemacht!)

Hilfsbereitschaft ist eine großartige Stärke. Doch ohne die Fähigkeit, sich auch im richtigen Moment abgrenzen zu können, steigert sie sich bis zur Selbstaufgabe.

Keine Stärke ist per se gut, keine Schwäche ist per se schlecht. Die Wahrheit liegt immer irgendwo in der Mitte, im Gegenspiel der beiden Extreme.

Was können Sie besonders gut? Was sind Ihre Stärken? Und wenn Sie nicht aufpassen: Welche Schwächen könnten daraus entstehen?

Ich wünsche viel Spaß und gute Erkenntnisse beim Nachdenken.

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