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Podcast #030

Prof. Michael Tsokos | Jobs in der Rechtsmedizin

von Volker Klärchen | 20. März 2022
Ein Interview mit Deutschlands bekanntestem Rechtsmediziner, Professor Michael Tsokos. Wir sprechen darüber, wie man als Nicht-Mediziner in seinem Bereich arbeiten kann, welchen Job er selbst niemals ausüben könnte und decken ganz nebenbei das Geheimnis von Erfolg auf.
Lieber lesen? Hier findest du ein vollständiges Transkript dieser Folge.

Transkript

hier klicken um den Text anzuzeigen

In dieser Woche beschäftige ich mich mit einem ungewöhnlichen Thema, nämlich Jobs in der Rechtsmedizin. 

Deswegen ein kurzer Hinweis: Wenn du dich im Moment mit solchen Themen lieber nicht auseinandersetzen möchtest, dann solltest du diese Folge überspringen. 

Ansonsten erwartet dich nach dem Intro ein sehr schönes und vor allem sehr aufschlussreiches Interview.

TITELMUSIK

Ich bin fest davon überzeugt, dass es für jeden Bewerber die richtige Stelle gibt. Einen Job, in dem er sich wohlfühlt und in dem seine ganz persönlichen Stärken und Talenten gefragt sind.

Umgekehrt bedeutet das natürlich auch, dass nicht jeder Job für jeden infrage kommt. Und trotzdem gilt auch hier: Für jede Stelle gibt es einen Menschen, der sie mit Hingabe ausfüllen kann.

Das gilt auch für die Bereiche, in denen sich viele Menschen kaum vorstellen könnten, dort zu arbeiten. Wie zum Beispiel in der Rechtsmedizin.

Ich habe mich mit Deutschlands bekanntestem Rechtsmediziner unterhalten, Professor Michael Tsokos. 

Er ist Leiter der Rechtsmedizin an der Charité in Berlin, er ist mehrfacher Bestseller-Autor, hat einen erfolgreichen Podcast, eine eigene Fernsehserie und engagiert sich stark im Kinderschutz.

Ich wollte von ihm wissen, welche Jobs es für Nicht-Mediziner in seinem Bereich gibt, wie man als Bewerber dort einen Einstieg findet – und natürlich auch, wie er gemerkt hat, dass das der richtige Beruf für ihn ist.

Prof. Tsokos 

Also ich war als Kind schon immer sehr an Naturwissenschaften interessiert. Hab als aus Kiel kommender Jung die Moorleichen im Schloss Gottorf bestaunt.  

Da hat sich schon so ein bisschen bei mir das Interesse für Vergangenes, für Tod, für Rekonstruktion geweckt, weil da ja auch teilweise Fragen gestellt werden: Sind die ermordet worden, dort versteckt worden? So, das hat mich damals schon sehr gereizt.  

Und ich hatte tatsächlich auch schon als Zwölfjähriger ein Buch über Archäologie und den Tod, was Rechtsmediziner und Archäologen zusammen geschrieben haben. 

Und hab aber jetzt nicht in die Richtung gedacht “ich werd mal Rechtsmediziner”, sondern fand das einfach spannend, so als Hobby, das zu lesen. 

Volker Klärchen 

Es war jetzt nicht so, dass sie so auffallend morbide waren, dass ihre Eltern sich Sorgen gemacht haben. 

Prof. Tsokos 

Nein, gar nicht, gar nicht. Ich komm auch aus einer Medizinerfamilie. Insofern war Körper, Anatomie, Medizin eigentlich, was Normales, was Natürliches.  

Aber ich hab mich jetzt nicht speziell irgendwie für den Tod interessiert gar nicht, sondern im Gegenteil das Leben genossen. Das mach ich immer noch. 

Volker Klärchen 

Das kam dann glaube ich im Studium? 

Prof. Tsokos 

Ja, das kam im Studium. Irgendwann kam die Vorlesung Rechtsmedizin das war für mich tatsächlich wie so ein Aha-Erlebnis, als ich gesagt habe “wow, das kann ich mir vorstellen, das mein Leben lang zu machen”. 

Denn das ist ja wirklich eine Entscheidung. Was mache ich 30, 35, 40 Jahre? Und ich glaube, es ist nichts schlimmer, als wenn man morgens aufsteht und sagt “Oh Gott noch 3 Tage bis zum Wochenende”.  

Sondern ich stehe morgens auf und denke “Super, ich bin gespannt was heute wieder so passiert ist.” 

Volker Klärchen 

Das finde ich gerade das Faszinierende, dass Sie das in einem Beruf gefunden haben, der halt viele Menschen abschrecken würde. Wo man wieder sehen kann: Es gibt zu jeder Branche Menschen, die genau dahin gehören Und wiederum andere, die da vielleicht fehl am Platz wären. 

Prof. Tsokos 

Genau. Also Beispiel, was ich nicht könnte zum Beispiel: In einem Kinderhospiz arbeiten mit sterbenden Kindern. 

Das ist für mich sowas, wenn mich Leute fragen “Wie können Sie diesen Job machen?” und sag ich: Den kann ich gut machen, der macht mir Spaß, das ist meine Berufung. Das gibt mir professionelle Befriedigung. 

Aber ich könnte zum Beispiel nicht mit sterbenden Kindern als Kinderkrebsarzt in einem Hospiz arbeiten. Das sind Leute, die ich bewundere. Wo ich sage “Wahnsinn, was ihr für einen Job macht.” 

Volker Klärchen 

Jetzt bin ich auf Sie aufmerksam geworden, nachdem eine Kundin mir mal gesagt hat “Am liebsten wäre ich Sektionsassistentin”, und ich habe gelacht und hab gesagt, das kenne ich eigentlich nur aus der Rechtsmedizin. 

Und sie meinte “Ja, genau das möchte ich ja machen!” 

Und habe ich zum ersten Mal geguckt: Was ist das eigentlich für ein Job, wie wird man das?  

So bin ich auf Sie damals gestoßen, da auf Ihrem Instagramkanal und hab dann halt gedacht: Jetzt muss ich rausfinden, als Nicht-Mediziner gibt es ja tatsächlich auch Jobs, die man dort machen kann. 

Prof. Tsokos 

Ja, da gibt es eigentlich vielfältige Möglichkeiten. Wir haben zum Beispiel hier in Berlin auch viele Kraftfahrer. Wir haben insgesamt 12 Kraftfahrer, die eben die Verstorbenen abholen.  

Wir haben natürlich unheimlich viele Schreibkräfte auch, weil das tatsächlich noch das meiste alles diktiert und dann so geschrieben wird. 

Weil das natürlich auch immer so eine digitale Sache ist. Das sind ja alles Interna, Ermittlungs-Interna, da wollen sie nicht gerne irgendwie gehackt werden, und dass jemand dann die Dateien rauszieht. Deshalb läuft das so richtig klassisch noch auf Diktierbändern und mit Diktaphon.  

Und es gibt natürlich neben den Medizinerinnen und Medizinern, die dann eben als Rechtsmediziner im Sektionssaal arbeiten, Pharmazeuten, Chemiker, Biologen, die dann entweder in der Toxikologie oder in der Genetik arbeiten.  

Wir machen ja auch DNA-Untersuchungen, oder, und das ist das, Herr Klärchen, was Sie angesprochen hatten, Sektionsassistenten. 

Das ist eine eigene Berufsausbildung. Die ist nicht staatlich geregelt, sondern es gibt verschiedene Schulen, die das anbieten. Zum Beispiel gibt es eine dreijährige Ausbildung in Bochum. Das dauert drei Jahre, und dann gibt es die Ausbildung zum Beispiel in Berlin an der Charité, da dauert sieein Jahr. 

Volker Klärchen 

Gibt es viele, die sich darauf bewerben? 

Prof. Tsokos 

Unfassbar viele! Die Lehrgänge, auch wenn man die bezahlen muss, wie zum Beispiel einen Lehrgang an der Charité, sind immer vollständig belegt, das ist unfassbar beliebt. 

Wir haben auch immer relativ viele Bewerbungen, wenn mal Stellen ausgeschrieben werden. Ich glaube auch, dass mehr ausgebildet werden, als am Ende einen Job finden. Zumindest in der Rechtsmedizin ist das mit Sicherheit so.  

Aber es gibt natürlich auch die Möglichkeit, wenn Sie die Ausbildung gemacht haben als Sektionsassistentin, Sektionsassistent, dann können Sie auch zum Beispiel in anatomischen Instituten arbeiten: In medizinischen Sammlungen, wenn es dort ums Konservieren, ums Fixieren von Präparaten, um die Pflege von Präparaten geht.  

Sie können natürlich auch in jeder Pathologie als Sektionsassistentin arbeiten. Also, da muss man so ein bisschen über den Tellerrand gucken. Da gibt es viele Möglichkeiten. 

Volker Klärchen 

Wenn sich jetzt jemand bei Ihnen bewirbt, sagen wir ruhig auf tatsächlich genau so einen Job, der haltim Sektionssaal dann mit stattfindet, sag ich mal: Bei einem normalen kaufmännischen Beruf achten die Leute darauf: Hat der Erfahrung mit Excel, hat der schon mal im Bereich Industrietore gearbeitet? 

Worauf gucken Sie, wenn sich jemand bewirbt? 

Prof. Tsokos 

Das kann ich Ihnen genau sagen. Wir hatten erst vor ein paar Wochen so ein Bewerbungsgespräch. Neben mir saß auch die leitende Sektionsassistentin hier am Institut dabei, und die muss ja primär mit den Betreffenden arbeiten.  

Das heißt, die ist die direkte Dienstvorgesetzte, macht die Dienstpläne, teilt die Leute ein. Und die hat dem betreffenden Kollegen dann verschiedene Fotos vorgelegt, zum Beispiel einen Messerstich und hat gesagt: “Wie würden Sie hier den Schnitt setzen?” 

Mit dem Hintergrund der Frage natürlich ... 

An dieser Stelle war Prof. Tsokos so freundlich, mir zu erzählen, worauf genau sie bei den Antworten der Kandidaten achten. 

Ich habe mich entschieden, diesen Part herauszuschneiden. Meine eigene, kleine Sektion, sozusagen.  Ich finde, der Bewerbungsprozess sollte immer fair bleiben, und ich möchte hier niemandem einen unfairen Vorteil verschaffen.

Auf jeden Fall war er sehr deutlich: Wer in diesen Beruf wirklich einsteigen möchte, der hat auch eine Chance.

Prof. Tsokos 

Man guckt natürlich einerseits drauf: Was haben die Leute für Berufserfahrung? Aber andererseits sind wir auch nicht abgeneigt Berufsanfänger, die vor Energie und Elan sprühen, wo man merkt, die brennen dafür, zu nehmen. 

Volker Klärchen 

Also wenn ich jetzt auf die eine Kundin zurückkomme, die eigentlich aus einem ganz anderen Bereich kommt: Wenn sie sich dafür wirklich interessiert, könnte sie das auch tatsächlich machen. 

Prof. Tsokos 

Klar. Also diese Ausbildungen kann man natürlich in jedem Lebensalter noch anfangen. Und das ist natürlich auch viel überschaubarer als ein Medizinstudium: 

Beim Medizinstudium müssen Sie sechs Jahre mindestens studieren, das ist die Mindeststudienzeit oder die Regelstudienzeit - kürzer geht nicht. Und die Facharztausbildung bei uns dauert nochmal fünf Jahre. 

Das heißt, bis Sie Rechtsmedizinerin oder Rechtsmediziner sind, haben Sie eine elfjährige Berufsausbildung. Und dann dürfen Sie sich erst so nennen und so arbeiten. 

Also, das ist mit eine der längsten Berufsausbildungen, die es wahrscheinlich in Deutschland gibt. Weil es natürlich auch ein sehr verantwortungsvoller Job ist. 

Man kann eben, wenn man nicht Medizin studiert, tatsächlich als Sektionsassistentin oder -assistent dann einsteigen. 

Volker Klärchen 

Das bedeutet aber auch: Die Leute, die Sie dann treffen im Bewerbungsprozess, da hat eigentlich schon eine Vorselektion stattgefunden, weil sie diese Ausbildung irgendwie gemeistert haben? 

Prof. Tsokos 

Genau. 

Volker Klärchen 

Sie haben jetzt nicht mit Leuten zu tun, die mit einer völlig falschen Erwartungshaltung kommen. 

Prof. Tsokos 

Berufsfremde können wir gar nicht nehmen. Nein, also, das würde viel zu lange dauern, die einzuarbeiten. Und auch das theoretische zu vermitteln, das muss schon in der Berufsausbildung gelaufen sein. 

Volker Klärchen 

Kann man denn auch tatsächlich davon ausgehen, dass die dem dann auch psychisch gewachsen sind am Ende? 

Prof. Tsokos 

Ja. Also ich hab noch nie jemanden als Sektionsassistenz oder Sektionsassistent erlebt, der irgendwann gesagt hat "ich kann das nicht mehr. Diese Gewaltverbrechen, ich kann es nicht ertragen”.  

Das sind eigentlich Leute, die von Anfang an dafür brennen. Ich habe das auch bei meinen Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern noch nie erlebt, dass irgendjemand gesagt hat "das ist mir zu hart, ich kann mit dieser Last, mit dieser Belastung, mit diesen Tragödien nicht umgehen”. 

Das weiß man glaube ich auch vorher. Man bekommt dasandererseits natürlich im Medizinstudium mit, was einen da erwartet, aber die bekommen das natürlich auch bei der Sektionsassistenten-Ausbildung in der praktischen Ausbildung, in diesem praktischen Teil mit, was gemacht wird. 

Volker Klärchen 

Ich überlege die ganze Zeit schon, wie ich das formulieren soll, weil: Ich bin ja auch durch Instagram auf Sie aufmerksam geworden. Und da wirkt das wirkt Ihr Beruf interessant, spannend … Ich suche nach einer Formulierung, die das Leid nicht leugnet, das dahintersteckt, aber gleichzeitig haben Sie eine Art, das zu vermitteln, die das Ganze ... 

Prof. Tsokos 

… den Schrecken, nicht? Ja, das ist das ist eine Gratwanderung. Ich hab das zum Glück tatsächlich mittlerweile verinnerlicht, natürlich durch Hunderte von Vorträgen, Tausende von Vorlesungen, dass man einerseits die Neugier befriedigt, ohne dass die Leute voyeuristisch werden. 

Sondern dass man wirklich nüchtern das Naturwissenschaftliche objektiv betrachtet und dabei aber immer die Neugier hochhält.  

Das ist auch bei mir so. Ich bin ein total neugieriger Mensch, das macht mir unheimlich Spaß, diese Untersuchungen durchzuführen, zu rekonstruieren, wie ist jemand gestorben, was ist in den letzten Minuten Stunden des Lebens passiert? 

Das können wir ja alles aus der Leiche herausarbeiten und herauslesen. Und wenn man diese Neugier hat und auch den nötigen Abstand hat, dass man den Verstorbenen als eine leere Hülle sieht, wo der Piloten nicht mehr drin ist, dann geht das. 

Volker Klärchen 

Nun sind sie, glaube ich, der Erste, der solche Themen auch auf Instagram präsentiert. Haben sie da Gegenwind bekommen, vielleicht sogar durch Instagram selber? 

Prof. Tsokos 

Ja, auf jeden Fall also ich bin immer kurz davor, gesperrt zu werden. Mein Konto, das ist tatsächlich so, ich musste mich natürlich auch erstmal daran gewöhnen: Was kann man zeigen, was nicht?  

Sie sehen auf irgendwelchen Instagram-Seiten fast barbusige Frauen und Hintern, die eigentlich nur noch durch einen G-String eigentlich gar nicht bedeckt sind. Aber wenn ich ein Bild poste von einem Verstorbenen, der einen Dekubitus, also ein Durchliegegeschwür im Bereich des Gesäßes hat, muss ich peinlich darauf achten, dass man die Gesäßrinne nicht sieht. 

Denn sonst wird es gesperrt. Das hab ich schon gehabt und Stories gesperrt worden. Absurderweise wurde auch meine Story gesperrt, wo das Cover eines meiner Bücher gepostet wurde. Das muss mal vorstellen. 

Volker Klärchen 

Wegen der Illustration darauf? 

Prof. Tsokos 

Wegen der Illustration. Ein Buch was, was Sie überall FSK 12 kaufen können in der Buchhandlung, das wurde dann gesperrt. Und dann krieg ich ständig Nachrichten “Dein Konto steht kurz vor der Löschung”.  

Ich bin auch schon mit einigen Funktionen eingeschränkt worden, dass ich nicht mehr live gehen kann selbst, sondern das dann über andere Kanäle machen muss.  

Aber Sie kriegen ja auch keinen zu fassen bei Facebook, Instagram - da gibt es ja keinen, da gibt es keinen, den man ansprechen kann. Ich habe alles versucht, aber wie gesagt, ich bin da so ein bisschen auf der Abschussliste bei solchen Sachen 

Weil, die Begründung ist, das wäre Pornographie und Gewaltverherrlichung, was natürlich totaler Schwachsinn ist. Ich habe Zehntausende von Followern, wahrscheinlich sogar über hunderttausend, die Polizeibeamte sind, Kriminalbeamtinnen, Spurensicherungsleute die sagen “Vielen Dank jetzt verstehen wir die Zusammenhänge viel besser”. 

Ganz viele Medizinstudentinnen, Medizinstudenten, Ärzte, Pflegepersonal. Aber das versteht halt der Roboter, oder der Algorithmus bei Instagram nicht. 

Im Prinzip ist es ja nichts anderes als das, was ich in der Medizinstudenten-Vorlesung mache. 

Nur eben so ein bisschen leichter noch, ohne Fremdworte, bisschen allgemeinverständlicher, dass man eben nicht die ganzen anatomischen Grundlagen braucht oder die erkläre ich mit. Aber im Prinzip ist das nichts anderes, das ist Naturwissenschaft pur. 

Aber tja. 

 Volker Klärchen 

Wer jetzt gerade schon zu Hause sitzt und ein bisschen zusammenzuckt, bei den Themen, die wir bisher besprochen haben: Das wäre schon mal ein ganz wichtiger Indikator, dass das vielleicht nicht der ganz richtige Job für dich wäre.  

Haben Sie sonst noch einen Tipp für Leute, die mit dem Gedanken spielen, vielleicht so eine Ausbildung zu machen? Wie kann man für sich rausfinden, ob das wirklich der richtige Weg ist? 

Prof. Tsokos 

Ich habe endlos viele Anfragen, wirklich jeden Tag, von interessierten Leuten, die sagen “Ich bin jetzt bald mit der Schule fertig”, oder “Ich mach mein Abitur. Ich würde gerne mal einen Tag oder auch länger bei Ihnen hospitieren, Praktikum machen, mir das mal anschauen”.  

Das wäre natürlich auch sinnvoll, aber das können wir zeitlich nicht leisten. Die begrenzten Praktikumsplätze, die wir haben, sind für Medizinstudentinnen und Medizinstudenten reserviert, und da hätte ich jetzt ständig so ein Schaulaufen im Sektionssaal, wenn ich das machen würde. 

Das wäre es eigentlich. Das heißt, wenn ihr irgendjemanden kennt, das muss ja nicht eine Rechtsmedizinerin oder Rechtsmediziner sein, sondern kann auch jemand, der in der Pathologie arbeitet, oder im Krankenhaus arbeitet - wenn ihr da irgendjemanden kennt und der euch vielleicht mal da die Tür öffnet, dass ihr da mal einfach einen Vormittag mitlauft und einfach mal über die Schulter gucken könnt.  

Hier in der Berliner Rechtsmedizin wird’s nichts. Aber dann habt ihr vielleicht schon mal einen ersten Eindruck. 

Volker Klärchen 

Eine Pathologie gibt es ja auch in jedem normalen Krankenhaus, überall wo operiert wird. 

Prof. Tsokos 

In jedem normalen Krankenhaus. Genau. 

Das ist sicherlich nicht so überlaufen wie bei uns. 

Volker Klärchen 

Dann habe ich noch zum Schluß eine ganz andere Frage, weil: Sie sind Leiter der Rechtsmedizin, Sie sind sehr erfolgreicher Autor haben, jetzt gerade wieder ein neues Buch rausgebracht, "Der 13. Mann”. Sie haben Ihren eigenen, sehr erfolgreichen Podcast, eine Fernsehsendung, Sie engagieren sich ehrenamtlich und Sie haben Familie. 

Wie schafft man so ein Zeitmanagement? 

Prof. Tsokos 

Wie schafft man das? Ich glaube, Zeitmanagement ist das richtige Stichwort. Man muss einerseits natürlich sehr diszipliniert sein. Ich bin am Tag so etwa zwölf, dreizehn Stunden hier im Institut. 

Mache meistens abends noch mit Büchern oder Vorbereitungen, Podcast und sowas weiter, weil ich das ja nicht während der Arbeitszeit machen kann. 

Ich schlafe wenig, das ist auch so ein Punkt: Ich gehe so kurz vor Mitternacht ins Bett und stehe um sechs Uhr auf, fahre um sieben zur Arbeit bin 07:30 Uhr hier fahr dann irgendwie so 18:30, 19:30 wieder nach Hause. 

Aber, wobei ich alle beruhigen kann, die sagen, das würde ich nie schaffen: Wenn man etwas macht, was Spaß macht - und mir macht es Spaß, Bücher zu schreiben, mir macht es Spaß ein Podcast zu machen und mir macht es Spaß, die Sendung mit Jan Josef Liefers zu machen, mir macht Spaß, auch andere neue Ideen zu entwickeln, über den Tellerrand zu gucken - dann geht einem das auch leicht von der Hand, wenn man Spaß daran hat.  

Ich glaube, das ist so die Zauberformel: Zeitmanagement, Disziplin und Spaß. 

Volker Klärchen 

Das ist vielleicht das Geheimnis von allem. 

Prof. Tsokos 

Möglicherweise das Geheimnis von Erfolg, in allen Bereichen, ja. 

DER TIPP DER WOCHE

Normalerweise gibt es an dieser Stelle einen Tipp zu eurer Bewerbung. Aber ich dachte mir, wenn wir schon so einen Fachmann hier haben: 

Gibt es aus Ihrer Erfahrung irgendeinen Ort oder irgendeine Tätigkeit, die vielleicht gefährlicher ist, als man sich das im Alltag bewusst macht, und wo man vielleicht mal besser hingucken sollte. 

Prof. Tsokos 

Was mir wichtig ist, ist: Passt auf die Kinder auf. 

Das ist so etwas, was ich in knapp 30 Jahren Rechtsmedizin gelernt habe: Kinder und Wasser und Kinder und Höhe passen, wenn die Kinder noch klein sind, auf keinen Fall zusammen. 

Volker 

Ich bedanke mich ganz herzlich, dass Sie sich die Zeit genommen haben heute. 

Prof. Tsokos 

Sehr gerne, Herr Klärchen, sehr gern. 

Volker

Und damit endet unser kleiner Einblick hinter die Kulissen eines Berufs, über den im Alltag kaum gesprochen wird.

Wenn dir dieses Interview gefallen hat, dann freue ich mich, wenn du mir eine Bewertung auf Apple Podcasts oder Spotify hinterlässt. Damit tust du mir einen riesigen Gefallen, weil so noch mehr Menschen auf diesen Podcast aufmerksam werden.

Danke noch mal an Professor Tsokos, dass Sie sich die Zeit genommen haben, und danke auch an dich fürs Zuhören.

Und wie immer sag ich an dieser Stelle:

Bis bald.

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