011: Keine Lust mehr auf Bewerbungen

Veröffentlicht am 10.10.2021

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Kann ich dir was sagen, ganz im Vertrauen? Ich habe diese Woche überhaupt keine Lust gehabt, einen Podcast aufzunehmen. 

Warum du trotzdem gerade eine Folge anhören kannst und was das ganze mit dir und deinen Bewerbungen zu tun hat – das erzähl ich dir in dieser Folge, die es beinahe nie gegeben hätte.

TITELMUSIK

Das Intro war diese Woche ausnahmsweise mal gar nicht komisch gemeint, sondern ganz ehrlich: Ich habe wirklich überhaupt keine Lust gehabt, mich vor’s Mikro zu setzen oder mir auch nur eine neue Folge aus zu denken.

Die letzten Tage und Wochen, die waren ganz schön anstrengend und vor allem vor allem ziemlich kreativ: Ich habe jetzt zehn Wochen lang jeden Sonntag eine neue Podcast Folge veröffentlicht. Und auch wenn so eine Folge nur so 7-10 Minuten lang ist, brauche ich etwa 5-6 Stunden von der ersten Idee bis alles fertig ist.

Das kostet eine Menge Zeit - und auch eine Menge an Ideen.

Dazu kommt noch, dass ich in der Woche jeden Tag auf Social Media pose, und jeden Sonntag verschicke ich zusätzlich meinen Newsletter.

Und weil das alles noch nicht genug Arbeit war, habe ich noch ein zusätzliches Format erfunden, das diese Woche seine Premiere hatte: Klärchen Live!

Das ist ein Live Videostream, den du auf LinkedIn, Facebook und YouTube sehen kannst. Und auch da gebe ich noch mal Tipps rund um die Bewerbung. 

Und wie das meistens ist, wenn man etwas zum ersten Mal macht – da muss man noch viel mehr Zeit investieren, als wenn man schon richtig gut Übung darin hätte.

Ich habe also sehr viele Ideen und sehr viel Output produziert in letzter Zeit.

Und nun war wieder Freitag, und das ist mein Podcast-Tag. Da setze ich mich vormittags an den Schreibtisch und denke mir ein Thema für diese Woche aus. Wenn alles gut läuft ist dann bis nachmittags eine neue Folge fertig geschrieben, aufgenommen, bearbeitet und auf allen entsprechenden Servern und Webseiten hochgeladen.

Aber heute saß ich so da und hab gemerkt: die Luft ist raus. In meinem Kopf saß nur noch Peter lustig von Löwenzahn der zu mir sagte: Du kannst du jetzt auch abschalten. Da kommt nichts mehr.

Mein Kopf war einfach leer.

Und schon ging der innere Konflikt los:

Mein Gefühl hat mir gesagt „lass es, du kannst es nicht erzwingen, da kommt sowieso nichts gutes bei raus“. Aber mein Kopf hat gesagt „Konsistenz ist SO wichtig! Du hast dich darauf eingelassen, jede Woche eine neue Folge zu produzieren - jetzt tu das gefälligst auch!“

So funktioniert Kreativität aber nicht. Man kann nicht auf Knopfdruck gute Einfälle haben. Also lass ich es, die Welt wird nicht untergehen, und die Leute kriegen den Sonntag auch ohne eine neue Folge von mir rum.

Ja, schwer vorzustellen – ich weiß – aber es geht.

Und dann kam die Wende - in Form von Wiebke Wimmer, einer sehr geschätzten Kollegin von mir. Ich hatte mich gerade mit ihr unterhalten und ihr von meinem Dilemma erzählt als sie sagte: 

Dann mach doch einfach eine Folge zum Thema keine Lust.

Klack - hatte sie in meinem Kopf einen Schalter umgelegt.

Da wurde es plötzlich ganz einfach. Denn anstatt mir mühsam etwas aus zu denken musst dich jetzt nur noch über das schreiben was mir sowieso schon den ganzen Tag durch den Kopf ging. 

Und war trotzdem schon wieder mitten drin im Bewerbungsthema,  denn dieses Gefühl kennst du doch auch.

Du hast doch garantiert auch schon Tage erlebt wo du dachtest: Ich habe einfach keinen Bock mehr auf Bewerbungen.

Nur fragt dich als Bewerber ja auch keiner ob du heute in der Stimmung bist, eine schöne Bewerbung zu schreiben. 

Im besten Fall steckt nur dein eigenes schlechtes Gewissen als Antrieb dahinter. Im schlimmsten Fall aber die Agentur für Arbeit oder das Jobcenter, die von dir nächste Woche Nachweise über acht Bewerbungen sehen möchten.

Aber was tun wenn du merkst, dass es jetzt gerade einfach nicht geht?

Und da ist mein Rat immer ganz klar: Wenn es nicht geht, dann mach es nicht. Nicht jetzt.

Aus dem selben Grund wie bei meinem Podcast: Da kommt ja eh nichts gutes bei raus!

Als Firma kann ich ziemlich gut zwischen den Zeilen lesen was jemand gedacht hat, während sie eine Bewerbung geschrieben hat. Und erschreckend oft steht in einem Anschreiben - wohl gemerkt zwischen den Zeilen: „Ich habe keinen Bock ich weiß nicht was ich schreiben soll, wann ist die Seite denn endlich voll, noch größer kann ich die Schrift nicht machen, sonst fällt’s auf.“

Damit gewinnt man dann keinen Blumentopf  - und es tut einem ja auch selber nicht gut.

Deswegen empfehle ich meinen Kunden immer, sich bewusst freizunehmen. Eine Pause zu machen. Eine Pause von der Bewerbung.

Wenn du dich also mal in einer ähnlichen Situation wie ich heute Morgen wieder findest – dann hör auf dich zu quälen. Du musst keine Bewerbung abschicken – zumindest nicht jetzt sofort.

Geh spazieren. Setz dir Kopfhörer auf und höre laute Musik. Gehe irgendwo hin, wo du dich wohl fühlst. Das muss auch gar nichts großartiges sein, einfach ein Ort, an dem du gerne bist.

Bei mir wäre das zum Beispiel eine Buchhandlung, oder eine Bücherei. Ich liebe die ruhige Atmosphäre dort, und die Regale sind prall voll mit Inspiration.

Tue irgendetwas, das dir gut tut.

„ Aber das kann ich doch nicht machen!“ höre ich dich sagen. „Ich muss jetzt eine Bewerbung verschicken! Ich kann es mir einfach nicht leisten, das noch länger aufzuschieben.“

Doch, das kannst du. Und nicht nur das: du musst es sogar!

Der große deutsche Philosoph Tim Bendzko hat mal gesagt: „Ich bin doch keine Maschine“ - und deswegen musst du auch nicht immer zu 100 % auf Knopfdruck funktionieren.

Und nur mal unter uns: Die meisten Maschinen, die ich persönlich kenne, tun das ja auch nicht. Die Kaffeemaschine meiner Mutter nimmt sich mehr Urlaub als ich.

Auch wenn du keine Maschine bist, hast du trotzdem so eine Art Akku. Und manchmal ist der eben leer, und dann macht es keinen Sinn, einfach noch mehr Druck auszuüben. Druck macht Diamanten und so … Unfug! Druck auf Dauer macht Dinge kaputt!

Wenn du dir aber eine Pause gönnst – und das ganz ohne schlechtes Gewissen – dann kannst du deinen Akku wieder aufladen. Und dann kannst du hinterher umso motivierter wieder an die Arbeit gehen.

Und oft ist es doch so, dass wir die besten Ideen haben, wenn wir gar nicht über ein Problem nachdenken. Vielleicht kommst du sogar nach Hause und hast plötzlich eine Eingebung, was du an deiner Bewerbung verändern könntest.

Genauso ist doch auch diese Folge heute entstanden:

Ich saß am Schreibtisch und dachte „nein, heute fällt mir wirklich nichts mehr ein. Und ich habe auch keine Lust, mir auf Krampf ein Thema aus zu denken. Das wird man am Ende merken, diese habe ich eine Folge veröffentlicht, die ich selber nicht mehr mag. Ne!“

Doch als dann Wiebke mit ihrer Idee kam, hatte ich plötzlich eine ganz neue Sichtweise: Nichts ausdenken, sondern einfach in Worte fassen, was gerade los ist.

Und das ging erfreulich einfach.

Nächsten Freitag werde ich wieder am Schreibtisch sitzen. Aber dann sind die Karten wieder ganz neu gemischt: dann liegt eine ganz andere Woche hinter mir, neue Erlebnisse neue Eindrücke – und wer weiß, welche neue Ideen dann schon warten.

Und genau so darfst und solltest du auch mit dir umgehen - gerade als Bewerber!

DER TIPP DER WOCHE

Jobsuche ist einer der wenigen Jobs, bei denen man niemals Urlaub hat. Denn immer, wenn du dich gerade nicht damit beschäftigst, meldet sich ganz schnell im Hintergrund das schlechte Gewissen: Du müsstest aber!

Ganz besonders extrem ist das für Menschen, die sich aus der Arbeitslosigkeit heraus bewerben. Wenn du einen normalen Job hast, dann gibt es immer einen spürbaren Zeitpunkt am Tag, an dem die Arbeit vorbei ist und die Freizeit beginnt. 

Als Arbeitsloser hast du diesen Punkt nicht mehr. 

Deswegen denkt daran, dir regelmäßig Pausen zu genehmigen. Wenn du gerade angestellt bist und parallel nach einem Job suchst dann nimm dir ganz bewusst Abende, an denen du dich überhaupt nicht mit diesem Thema beschäftigst.

Und solltest du gerade arbeitslos sein, dann erst recht: dann nimm dir Tage, an denen du einfach mal frei hast. 

Sei dir selbst ein guter Chef.

Du wirst sehen: danach geht es umso einfacher wieder weiter.

Apropos weiter:

Einige von euch haben mir ja schon sehr fleißig ihre Fragen geschickt. Daraus sind auch sehr schöne Episoden geworden, finde ich.

Deswegen spreche ich dich heute noch mal persönlich an. Ja, genau dich.

Dich beschäftigt doch auch schon lange eine Frage. Schnapp sie dir und schick sie zu mir.

Du kannst mir eine Sprachnachricht schicken über Instagram, Facebook oder LinkedIn. Und keine Sorge, auf Wunsch bleibst du dabei vollkommen anonym.

Und falls dir jetzt spontan keine Frage einfällt oder du nicht weißt, wie du sie genau formulieren sollst: Dann zieh dir deine Schuhe an, wirf dir eine Jacke über und geh einmal um den Block. Wer weiß, vielleicht kommst du danach sehr inspiriert zurück.

Und ich in dieser Podcast, wir kommen auch zurück – schon nächste Woche.

Bis bald!

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