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Podcast #22

Ein kleiner Rückblick auf 2021

von Volker Klärchen | 9. Januar 2022
Aus dem letzten Jahr ist mir ein Kunde ganz besonders in Erinnerung geblieben. Seine Geschichte wan nicht einfach, doch es ist eine Geschichte, die Hoffnung macht – und deswegen möchte ich sie gerne mit dir teilen.
Transkript (hier klicken um den Text anzuzeigen):

Neues Jahr, neues Glück. Ich schau voraus - ach nein, zurück!

TITELMUSIK

Schon wieder hat ein neues Jahr angefangen. Für manche ist es 2022, für andere 2020c. Denn es fühlt sich doch immer noch so an, als ob 2020 nie aufgehört hätte, oder? Aber darum soll es heute gar nicht gehen.

Ich nehme mir am Jahresende immer gerne die Zeit und überlege, was im vergangenen Jahr so alles passiert ist. Was war gut, was war nicht so schön, woran denke ich gerne zurück?

Und da ist mir vor allem ein Kunde eingefallen, mit dem ich vergangenes Jahr gearbeitet habe.

Und seine Geschichten finde ich so schön, dass ich sie gerne mit dir teilen möchte.

Wie immer gilt dabei: Vertraulichkeit ist das wichtigste!

Daher habe ich alle wichtigen Details in der Geschichte so verändert, dass dieser Mensch auf keinen Fall wiederzuerkennen ist.

Da Ganze begann im Frühsommer. Da hat mich die Mutter von Bastian angerufen. Sie wusste, dass ich nur mit Menschen arbeite, die schon Berufserfahrung haben. Für eine normale Bewerbung nach der Schulzeit bin ich in der Regel nicht der richtige. 

Aber es war eben keine normale Bewerbung.

Bastian – ihr Sohn – sollte 2022 sein Abi machen. Und Bastian hatte einen großen Wunsch. Er wollte nicht nur einen ganz bestimmten Beruf erlernen nach der Schule, er wollte das auch bei einem ganz bestimmten Unternehmen. Und darauf hat er seit der neunten Klasse hingearbeitet.

Das muss man sich mal vorstellen: seit der neunten Klasse! Ich weiß ja nicht wie's dir ging, aber in der Neunten habe ich mir über so was noch überhaupt keine Gedanken gemacht. Da habe ich für die Schule gemacht, was unbedingt machen musste und habe mich danach mit Freunden getroffen – ans Berufsleben habe ich da keine einzige Minute gedacht. Und meine Pläne gingen höchstens bis zum nächsten Kinobesuch – und er war immer mittwochs, weil die Busse da später fuhren.

Aber ich schweife ab. Er hat damals schon an so was gedacht.

Er hat an jeder Exkursion teilgenommen, die irgendwas mit seinem Thema zu tun hatte. Er ist in eine Arbeitsgruppe in seiner Schule eingestiegen, bei der es auch zumindest um ein verwandtes Thema ging. Und er hat sich da so engagiert, dass er später als Mentor dort tätig war.

Und dann hörte er von einer Schule, die sich sogar auf sein Berufsbild spezialisiert hat. Also eine Möglichkeit, noch vor dem Abitur Fachwissen zu erlernen, dass man in einer normalen Schule nicht bekommt.

Diese Schule war deutlich weiter weg als seine jetzige.

Aber Bastian hat keine Sekunde gezögert. Das war ein wahnsinniger Fahrtweg für ihn, jeden Tag - aber er hat das auf sich genommen, freiwillig. Denn er hatte ein Ziel. 

Und dann kam Corona.

Plötzlich war die Schule zu und Unterricht gab es nur noch online. Aber darauf war Bastian nicht vorbereitet. Er hatte nicht mal einen Rechner, an dem er hätte arbeiten können. 

Es gab nur ein Handy, auf dem er dann versucht hat, an den Schulstunden teilzunehmen. Und jetzt stell dir mal vor, du hättest jeden Tag 6–8 Stunden Meetings und musst das alles über das Handy machen. Und alle deine anderen Aufgaben auch.

Das macht wenig Spaß. Wenn uns etwas überhaupt keinen Spaß macht, dann drücken wir uns gerne davor. Und dummerweise gab es da etwas, was Bastian zusätzlich von der Schule weggelockt hat:

Sein guter Charakter.

Seiner Straße wohnen nämlich viele ältere Menschen, im großen Teil allein. Und für die hat er dann Einkäufe und Besorgungen übernommen. Schließlich brauchten sie Hilfe.

„Und so lange wird dieses komische Corona-Zeug schon nicht dauern, da konzentriere ich mich jetzt erst mal darauf.“

Spoiler-Alert: Es hat länger gedauert. Viel länger.

Und langsam aber sicher hat sich diese Mischung aus „ich kann dem Unterricht nicht richtig folgen“ und „ich kümmere mich erst mal um andere“ leider Wirkung gezeigt – nämlich in seinen Noten.

Aus einem vormals guten Schüler wurde einer mit jeder Menge Fünfen im Zeugnis. 

Und es bleibt nicht bei dem einen Zeugnis, denn inzwischen hatte sich dieser Kreislauf verselbstständigt. Es ist ihm nicht mehr gelungen, aus dieser Schleife auszubrechen, und so sah das nächste Zeugnis schon wieder katastrophal aus. Und Corona machte keine Anstalten, sich zu verziehen.

Doch im Sommer 2021 war es dann eben höchste Zeit, seine Bewerbungen zu verschicken. Und dieses eine Unternehmen, das sich Bastian in den Kopf gesetzt hatte, das gehört zu den größten und renommiertesten in Deutschland.

Dann kann sich jeder ausmalen, was passiert, wenn eine Bewerbung kommt, bei der in den aktuellen Zeugnissen so miese Noten stehen.

Die wird in der Regel sofort aussortiert.

Und das war die Situation, in der Bastians Mutter mich um Hilfe bat.

Ich habe mich danach erst mal selbst mit ihm unterhalten, denn Mütter sind ja parteiisch: natürlich würde die Bastians Geschichte immer so erzählen, dass er sehr gut dabei wegkommt. Aber ich musste mir erst mal selbst ein Bild machen.

Was soll ich sagen? Ich war begeistert!

Das war ein junger Mann, der ganz genau wusste, was er wollte, von seinem beruflichen Thema so grandios erzählen konnte, dass man die Begeisterung durchs Telefon spürt – und der einfach Pech gehabt hat.

Also habe ich mit ihm gearbeitet und Unterlagen für ihn erstellt. Im Kern ging es da natürlich um das Anschreiben, das eine bestimmte Aufgabe bewältigen sollte: 

Einen gestressten Personaler in einem großen und gefragten Unternehmen dazu bringen, einen jungen Mann einzuladen, der laut Zeugnis ein unterirdisch schlechter Schüler ist. Obwohl derselbe Personaler mindestens 100 andere Bewerbung auf seinem Schreibtisch hat, die alle bessere Noten enthalten.

Ich habe die Unterlagen erstellt, er hat sie verschickt und dann … passierte lange Zeit gar nichts. Es fühlte sich zumindest sehr lang an, aber das lag glaube ich auch eher an der Pandemie. 

Das nächste, was ich von der Familie dann hörte, war, dass er zum Gespräch eingeladen wurde. Und wieder fragte die Mutter mich, ob ich ihn auch auf das Gespräch vorbereiten würde – und dieses Mal lehnte ich ab. 

Nicht weil ich ein böser Mensch bin, sondern weil ich ein schlechter Geschäftsmann bin: Ich habe noch nie einem Kunden etwas verkauft, das er nicht gebraucht hat.

Ihr selbst im Gespräch erlebt, und mir war bewusst: Der muss einfach nur so sein, wie er ist, dann wird alles gut gehen. Je weniger Tipps und gut gemeinte Ratschläge bekommt, desto authentischer und überzeugender wird er sein. 

Und genau so ist es dann auch gekommen: Im Spätsommer hat er seinen Ausbildungsvertrag für seinen Wunschberuf bei seinem Wunschunternehmen unterschrieben.

Ich weiß nicht, ob du dir das vorstellen kannst, aber ich freue mich immer genauso mit wie die Bewerber selbst. Es ist einfach großartig zu erleben. Wie schnell dieser Schritt von Verzweiflung zu Euphorie manchmal geht. 

Und um Bastian mache ich mir überhaupt keine Sorgen mehr. Diese ärgerliche Episode in seinem Leben wird er in ein paar Jahren vergessen haben – oder sie wird eine lustige Anekdote, die man auf Familienfeiern erzählt. Nachdem er gerade von der Arbeit gekommen ist – von einem Job, in dem er sich sehr wohlfühlt.

Ich würde mich selbst als Optimist bezeichnen. Doch in diesem Fall ging die Geschichte viel besser aus, als ich zu hoffen gewagt hätte – obwohl sie so schwierig anfing.

Ein halbes Jahr vorher hätte er das selbst wohl nicht mehr erwartet.

Dir wünsche ich jetzt nicht nur ein frohes und gesundes neues Jahr, sondern dass auch du möglichst viele schöne Überraschungen erleben wirst. 

Denn die können wir alle sehr gut gebrauchen.

Bis bald.

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