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Podcast #031

Drei Tipps, die heute nicht mehr funktionieren

von Volker Klärchen | 8. Mai 2022
Manche Ratschläge sind nur für einen begrenzten Zeitraum gut. In diesem Podcast stelle ich dir drei solcher Tipps vor - und eine grüne Giraffe ist auch dabei.
Lieber lesen? Hier findest du ein vollständiges Transkript dieser Folge.

Transkript

hier klicken um den Text anzuzeigen

Ich war vor ein paar Tagen auf einer sehr großen Veranstaltung in Hamburg. Da waren 20.000 Menschen – aber eine Frau ist mir sofort aufgefallen. 

Sie hatte eine Stange mitgenommen und ganz oben eine grüne Plüsch-Giraffe fest gebunden. Dieses arme Tier konnte man von überall aus sehen – eine clevere Idee!

Denn so konnten die Leute, die mit ihr unterwegs waren, sie überall ganz schnell wieder finden. Und was das mit Bewerbung zu tun – du nach der Musik.

TITELMUSIK

Zurück zu der grünen Giraffe – ich habe mich übrigens erkundigt, der geht's gut. Giraffen sind es ja auch gewohnt, von sehr weit oben auf die Menschen runterzugucken.

Jedenfalls habe ich die Frau mit diesem Stab gesehen und gedacht: Das hätten wir vielleicht auch machen sollen. Dann findet man sich in der Menge immer wieder.

Das Problem ist nur – gedacht, sondern sehr viele von den Menschen dort. Und jetzt stell dir vor, nächstes Jahr laufen da 10.000 Menschen rum, die ein wertloses Plüschtier an einer Stange hochhalten.

Dann funktioniert diese Idee plötzlich nicht mehr. Weil es einfach zu viele machen und es nicht mehr auffällt.

Und genau darum soll es heute geben: denn auch in der Bewerbung gibt es Ideen, die früher mal clever warm und mit denen man positiv auffallen kommt. Inzwischen sind diese Ideen so verbreitet und damit so abgenutzt, dass du dir damit keinen Gefallen tun würdest. 

Ich stelle dir heute drei solcher – nennen wir sie mal abgelaufene Ideen vor und verrate dir natürlich auch, was du stattdessen machen solltest.

Abgelaufene Idee Nummer 1: Die Farbe der Firma benutzen 

Du sitzt zu Hause und denkst dir: Was kann ich mal machen, damit meine Bewerbung sofort auffällt? Was kann ich tun, damit die Firma sofort sieht, dass ich mir Mühe gegeben habe. Oh ja, ich baue die Farbe der Firma in meine Unterlagen ein. Dann sehen Sie gleich, dass ich mich mit ihnen beschäftigt habe.

Vielleicht bist du irgendwann auch schon mal auf diese Idee gekommen und wunderst dich jetzt, dass ich dir davon abraten würde. Doch wie immer lohnt es sich, einmal beide Seiten anzusehen: die Bewerbersicht, aber auch die Firmensicht.

Aus Bewerbersicht erscheint das tatsächlich wie eine gute Idee, und das war sie auch mal.

Das würde ich jetzt vielleicht erschrecken, aber es gab mal eine Zeit, in der nicht jeder einen Farbdrucker zur Verfügung hatte. Da war man schon glücklich, wenn man einen ordentlichen Schwarzweiß Ausdruck zu Hause machen konnte.

Aber mit der Technik stiegen auch die Möglichkeiten. Und heute ist es überhaupt kein Problem mehr, da du in einem PDF ganz exakt und unverfälscht die Unternehmensfarbe einbauen kannst.

Das als Bewerber sehr individuell vor: schließlich verschickst du an Coca-Cola eine rote Bewerbung, ein Edeka eine gelb-blaue und an Starbucks eine grüne. Jede Bewerbung extra angepasst, jeder sieht anders aus – mehr Mühe kann man sich doch nicht geben, oder?

Jetzt wechseln wir aber wieder auf die Firmenseite. Und da geht die Individualität sofort flöten: denn bei Coca-Cola siehst du jeden Tag 200 rote Bewerbungen. Bei Edeka sind sie alle gelb-blau und bei Starbucks alle grün. Plötzlich bist du überhaupt nicht mehr auffällig, sondern ganz im Gegenteil: Du gehst in der Masse unter, weil alle auf dieselbe Idee gekommen sind.

Was solltest du stattdessen tun? 

Such dir eine Farbe aus, die gut zu deinem Foto passt. Damit hast du gleich eine ganze Reihe an Vorteil: zum einen sieht es einfach gut aus. 

Farbe aus, Foto passt. Wenn dein Bewerbungsfoto zum Beispiel viele Grüntöne enthält, dann erinnert ein roter Schriftzug eben nicht an Coca-Cola, sondern eher ein Pumuckl. Wenn du aber eine Farbe nimmst, die sich gut mit deinem Foto verträgt, dann sieht deine ganze Unterlage gleich wertvoller aus.

Außerdem musst du dir dann nicht bei jeder neuen Bewerbung Gedanken machen, welche Farbe du jetzt nimmst – solange sich dein Foto nicht ändert, musst du auch an deiner Farbe nichts mehr ändern

Jetzt hast du nicht nur weniger Arbeit, sondern du fällst auch bei den Firmen besser auf – denn deine Bewerbung hat eine andere Farbe als die meisten anderen. Eine Farbe, die passt und einen guten Eindruck hinterlässt.

Sei also kein Chamäleon, entscheide dich für eine Farbe und bleibe dabei.

Abgelaufener Tipp Nummer 2: Den Firmenslogan zitieren

Wie kann man einer Firma denn noch zeigen, dass man sich mit ihr beschäftigt hat? Genau, man geht auf die Homepage und guckt, welchen Slogan sie selbst benutzen. Und dann schreibst du vielleicht so was:

Ich möchte mich bei Hornbach bewerben, schließlich gibt es immer was zu tun.

Hallo Edeka, ich passe gut zu euch, denn ich liebe Lebensmittel.

Liebes Ritter Sport Team, ich bin da zwar nicht quadratisch, dafür aber praktisch und gut.

Und du ahnst es schon: Hier passiert genau dasselbe wie bei der Firmenfarbe. Für jeden einzelnen Bewerber fühlt sich das originell an – aber auf der Firmenseite …

Kennst du das selbst auf eigene Erfahrung, ich auf jeden Fall: Mein Nachname ist ja Klärchen. Wenn ich mich irgendwo vorstelle, dann kann ich mich darauf verlassen, dass mein gegenüber sagt: alles Klärchen?

Das dürfen sie auch gerne, denn für jeden Menschen, dem ich begegne, ist es ja das erste Mal. Für mich hat sich das schon abgenutzt als ich zwölf war.

Tue dir also selbst den Gefallen und versuche nicht, den Slogan der Marke einzubauen. Das wurde einfach schon viel zu oft gemacht.

Was solltest du stattdessen tun?

Statt einen Satz zu benutzen, der typisch für die Firma ist, finde einen Satz, der typisch für dich ist. Erzähle eine kurze Geschichte, die dich beschreibt.

Schließlich möchte die Firma dich kennenlernen – und nicht sich selbst.

Vielleicht gab es ein Schlüsselerlebnis in deinem Berufsleben? Oder einen besonderen Grund, warum du dich überhaupt mal zu diesem Beruf entschieden hast?

Oder notfalls benutze ein Zitat von jemand ganz anderen. Davon bin ich zwar kein Freund, weil das wieder nicht von dir ist, aber es ist wenigstens nicht dasselbe, was die Firmen jeden Tag 200 Mal lesen.

Abgelaufene Idee Nr 3: Die Stellenanzeige wiederholen

Okay, du darfst dich also nicht mehr an der Firmen Homepage bedienen und die Farbe oder den Slogan kopieren. Aber was ist mit der Stellenanzeige? Die darfst du doch gerne aufgreifen, oder?

Hier ist die Antwort etwas komplizierter, aber ich will auf eine Sache hinaus, die du lieber nicht tun solltest. Manche Menschen kommen nämlich auf die Idee und wiederholen die Stellenanzeige in ihrem Anschreiben. Das liest sich dann so:

Sie suchen einen kommunikativen, serviceorientierten Mitarbeiter für die Kundenberatung.

Sie suchen eine technische Angestellte, die bereits Erfahrungen mit Industrietoren hat.

Für ihren Standort in Hanau suchen Sie einen freundlichen Mitarbeiter für den Empfang.

Wenn du jetzt der Personaler bist, der diese Briefe bekommt – was wirst du dann denken? Vermutlich so etwas wie hält er mich für blöd? Ich weiß doch, was ich suche, das habe ich schließlich selbst geschrieben.

Wie würdest du reagieren, wenn das umgekehrt jemand mit dir macht?

Hallo, können Sie mir sagen, wie ich hier zum Bahnhof komme?

Sie möchten also wissen, wie sie von hier zum Bahnhof kommen.

Das fühlt sich nicht wie ein sinnvolles Gespräch an, sondern als würde man sich mit einem Echo unterhalten.

Wie heißt der Bürgermeister von Wesel?

Ulrike Westkamp!

Ich kenne nur einen einzigen Ort, an dem so ein Dialog sinnvoll wäre, und das ist im Restaurant. Dort wiederholen die Mitarbeiter im Service gerne noch mal die Bestellung, aber nur um sicherzugehen, dass auch alles richtig angekommen ist.

In allen anderen Fällen – und erst recht in deinem Anschreiben, möchte ich dir ganz dringend davon abraten, der Firma ihre eigenen Worte zurückzuschicken. Das wirkt so, als würdest du denen nur sehr wenig zutrauen. So als hätten sie ihre eigene Stellenanzeige schon wieder vergessen.

Was solltest du stattdessen tun? 

Du ahnst es schon: schreibe über dich. Du hast so wenig Platz im Anschreiben, der ist so kostbar – den solltest du nicht dafür verbrauchen, die Worte der Firma zu wiederholen. Schreibe über dich. Wer bist du, was zeichnet dich aus, was treibt dich an, wo willst du hin?

Was kostet natürlich erst mal ein bisschen mehr Gehirnschmalz, als wenn du einfach nur die Stellenanzeige wiederkäust. Langfristig sparst du dadurch so unfassbar viel Arbeit:

Wenn du ein Anschreiben hast, in dem es um dich geht – um dich, deine Geschichte – dann kannst du das an ganz viele verschiedene Firmen schicken, ohne es zu verändern. Du bist, was deine Geschichte ist – das bleibt ja immer gleich, ganz egal, ob du dich bei Hornbach, Edeka oder McDonald's bewirbst.

Und wie schon bei der Farbe und dem Slogan ist es dann auch hier: Du fällst damit positiv auf, weil du eben nicht dasselbe schreibst wie alle anderen.

Alle anderen orientieren sich an der Stellenanzeige. Alle anderen schreiben, dass sie kommunikativ, Service orientiert und sehr freundlich sind – du schreibst, was dich eigentlich morgens aufstehen lässt.

Und genau damit bleibst du in Erinnerung.

DER TIPP DER WOCHE

Das waren jetzt drei ganz unterschiedliche Punkte: benutze nicht die Firmenfarbe, zitiere nicht den Slogan und zitiere erst recht nicht die Stellenanzeige.

Trotzdem ist die Antwort im Grunde immer dieselbe: schreibe nicht über die Firma, sondern schreibe über dich.

Du solltest im Mittelpunkt Bewerbung stehen.

Und um herauszufinden, wie konsequent du das bisher machst, schlage ich dir ein kleines Experiment vor:

Öffne mal dein Anschreiben und gehe es Satz für Satz durch. Bei jedem Satz – besser noch, bei jedem Halbsatz – fragst du dich: würde die Firma das, was hier steht, auch wissen, wenn ich ihr nicht geschrieben hätte?

Und wenn die Antwort darauf "ja" heißt, dann lösche diesen Teil.

Also, wenn du geschrieben hast:

"Sie suchen eine Mitarbeiterin für ihr Vertriebsteam im Außendienst …"

Fragst du dich, ob die Firma das schon vor deinem Anschreiben wusste. Und ja, das wusste sie. Also löschst du diesen Satz.

Am Ende bleibt nur das übrig, was für die Firma wirklich neu ist. Und nur das ist für die Firma auch wirklich wichtig.

Denn das sind genau die Sätze, in denen es um dich geht. Also die Informationen, die dem Unternehmen helfen eine sinnvolle Entscheidung zu treffen, ob du der oder die richtige bist.

Und wenn nach dem Streichen dein Anschreiben plötzlich sehr kurz geworden ist und du nicht weißt, was du schreiben sollst – dann melde dich bei mir. Denn genau das ist mein Job.

Ich finde mit dir zusammen deine Geschichte. Die eine Geschichte, die du dann unverändert an ganz viele Unternehmen schicken kannst.

Es macht mir sogar solchen Spaß, die Worte zu finden, die dich unverwechselbar machen statt Firmenslogans nachzukauen, dass ich fast sagen könnte - ba dam ba da dam - ich liebe es!

Bis bald.

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