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Podcast #029

Die Bewerbung als Weg aus der Krise

von Volker Klärchen | 13. März 2022
Schon zu "normalen" Zeiten ist es manchmal schwer, sich zur Bewerbung zu motivieren. Und jetzt? Jetzt, wo wir alle dachten, uns steht ein entspannter Sommer bevor? Ich werde dir einen Weg zeigen, wie du in dieser Situation gut für dich sorgen kannst. Und ob du es glaubst oder nicht – dabei kann dir deine Bewerbung sogar helfen.
Lieber lesen? Hier findest du ein vollständiges Transkript dieser Folge.

Transkript

hier klicken um den Text anzuzeigen

Heute ist der 13. März 2022. 

Vor genau 2 Jahren habe ich wie immer Abends mein Büro abgeschlossen und bin nach Hause gefahren. 

Nur mit einem ganz anderen Gefühl als sonst. 

An dem Tag begann der erste Lockdown. 

Im nächsten Jahr, 2021, habe ich dann eine Podcastfolge veröffentlicht, die mit den Worten begann:

„Wenn du diese Folge erst später hörst , dann ist die Pandemie hoffentlich schon lange vorbei.“

Und jetzt, 2022?

Da könnte ich sagen: „Wenn du diese Folge später hörst , dann ist die Pandemie hoffentlich vorbei - und der Krieg auch.“ 

Was für eine ******-Zeit, oder? 

Und auch, wenn es sich gar nicht danach anhört: Das hier wird eine optimistische und vor allem hilfreiche Folge.

TITELMUSIK

Schon zu normalen Zeiten ist es manchmal schwer, sich zur Bewerbung zu motivieren. Ich kenne Menschen, die würden alles lieber tun, als sich an ihr Anschreiben zu setzen, wirklich alles:

Da wird dann das Bad gewischt, der Gummibaum geputzt oder die Ablage gemacht. Hauptsache nicht bewerben. 

Mit Corona ist das nicht leichter geworden. 

Und jetzt?Jetzt, wo wir alle dachten, uns steht ein entspannter Sommer bevor - da bricht ein Krieg in Europa aus. 

Da ist es überhaupt kein Wunder, wenn du auch zu den Menschen gehörst, die gerade denken: „Ich kann nicht mehr. Ich will auch nicht mehr.“

Das ist eine ganz normale Reaktion. 

Heute werde ich dir einen Weg zeigen, wie du aus dieser Situation das Beste machen kannst. Und dabei am Ende sogar das Angenehme mit dem Nützlichen verbindest. 

Dazu ist es wichtig, dass wir erstmal ganz genau hingucken, warum es uns eigentlich so geht. Schließlich herrscht hier bei uns doch gar keinen Krieg?

Du und ich, wir müssen keine Angst haben, dass jeden Moment ein Flugzeug über uns hinwegrauscht und eine Bombe auf uns fallen lässt. 

Den Menschen in Ukraine geht es da ganz anders. Die erleben jeden Tag eine ganz reale, existenzielle Gefahr.

Die haben wir hier nicht. 

Warum geht es uns dann auch so schlecht?

Da ist auf der einen Seite natürlich das Mitgefühl, dass bei unterschiedlichen Menschen auch unterschiedlich stark ausgeprägt ist. 

Ganz ehrlich? Manchmal sehe ich in den sozialen Medien Leute, die selbst Nachrichten über den Krieg noch mit Lachemojis quittieren. In solchen Momenten vergesse auch ich gerne mal den Pazifisten in mir. 

Aber ich gehe mal davon aus, dass auch du so empathisch bist, dass du mitfühlst mit den Menschen, die gerade ganz akut unter diesem Wahnsinn leiden müssen. 

Das ist aber noch nicht alles. Der zweite Grund ist, dass wir nichts dagegen tun können. 

Und das ist ein Gedanke, der Menschen schon immer zuverlässig aus der Bahn geworfen hat. 

Psychologen nennen das den Verlust, der Selbstwirksamkeit. 

Und das ist sehr gefährlich. 

Wenn wir das Gefühl haben, dass das, was wir tun, keine Wirkung mehr hat, dass wir mit unserem Handeln nichts mehr bewegen können - dann macht uns das krank. 

Denn unser ganzes Leben funktioniert anders: 

Dir ist kalt? Dann gehst an den Kleiderschrank und ziehst dir einen Pullover über. 

Es gab ein Problem, du bist aktiv geworden und das Problem ist gelöst. 

Die Tür quietscht? Du gehst an den Kühlschrank, greifst zur Butter und fettes die Scharniere ein. Und kein Witz, ich kenne wirklich jemanden, der das mal gemacht hat. 

Es gab ein Problem, du bist aktiv geworden und hast es gelöst. 

Ok, in einigen Wochen, wenn die Butter so richtig schön ranzig geworden ist, hast du ein neues Problem. Aber für den Moment geht es dir gut. Weil du deine Selbstwirksamkeit gespürt hast. 

Aber in so einem Fall wie jetzt, da hilft kein Pullover. Und auch keine Butter. Du kannst nichts tun.

Du kannst spenden, Aber das sind 4 - 5 Klicks am Computer. Das registriert unser Gehirn nicht als „etwas tun“.

Du bist der Situation ausgeliefert. 

Das ist das Gefühl, das uns fertigmacht. Das uns die Kraft raubt. 

Dasselbe passiert z. B. auch bei einer Depression: Wer depressiv ist, hat immer das Gefühl, dass er daran nichts mehr ändern kann. 

Das stimmt zum Glück nicht, doch das Gefühl ist da und ist nur ganz schwer zu ertragen

Dswegen ist der erste und wichtigste Schritt, das Gefühl der Selbstwirksamkeit wieder herzustellen. 

Oh man, das klingt heute wie ein Psychologie-Podcast. Aber das ist auch ein ziemlich abstraktes Thema. 

Worauf ich hinaus will:. 

Du kannst nichts gegen den Krieg tun, aber du kannst *etwas* tun. 

Und dieses *etwas* kann dafür sorgen, dass es dir wieder besser geht. 

Intuitiv tun wir leider genau das Falsche:

Wir versuchen die Lage zu beherrschen, in dem wir so viele Nachrichten wir nur möglich darüber lesen:

Morgens nach dem aufstehen erst mal aufs Handy gucken und sehen, was in der Nacht passiert ist. 

Tagsüber immer wieder dieselben Seiten aufrufen und gucken, ob es etwas Neues gibt. 

Und abends dann noch eine mehrstündige Sondersendung mit Prognosen, was wohl morgen passieren wird.

Das ist das Schlimmste, was wir tun können!

Je mehr wir darüber lesen, desto schlechter geht es uns. Denn stell dir das mal wie eine Waage vor:

Jedes mal, wenn du eine Nachricht liest, dann legst du ein neues, schweres Gewichte auf die eine Seite der Waage. 

Und diese Seite wird immer schwerer. 

Und auf der anderen Seite? Wenn es hochkommt, hast du da vielleicht eine Überweisung als Spende draufliegen? Ansonsten bleibt diese Seite der Waage einfach leer. 

Und die Waage sinkt immer weiter nach unten. 

Doch jetzt kommt der Clou: Deiner Psyche ist es egal, ob du etwas tust, um den Krieg zu beenden, oder ob du *irgendwas* tust. Hauptsache du tust *etwas*.

Solange du nicht in Schockstarre verhasst, auf dem Sofa sitzt und Nachrichten ohne Ende konsumierst, kannst du die Waage wieder ausgleichen.

Und genau das kannst z. B. mit deiner Bewerbung erreichen. Nein, drücke jetzt nicht auf Stopp, ich meine das wirklich ganz ernst!

Wenn du es schaffst, etwas sinnvolles zu tun, dann wirst du wieder neue Kraft schöpfen.

Selbstwirksamkeit beginnt damit, dass man seinem Tag eine Struktur gibt. Gerade wenn du zur Zeit vielleicht keinen Job hast und niemand mitbekommt, ob du um 11 immer noch im Bett liegst, dann mach aus deiner Bewerbung ein Projekt.

Sei dein eigener Chef und setze dir feste Termine. Erstelle einen Plan. Und sorge als Chef auch dafür, dass du dich an diese Termine hältst. 

Also, zum Beispiel:

Ich werde um 07:30 Uhr aufstehen. 

Nach Dusche und Frühstück werde ich mich spätestens um 08:30 Uhr an den Tisch setzen und mich um den Lebenslauf kümmern. 

Da werde ich mir vor allem den Block „praktische Erfahrungen“ vornehmen. Ich werde mir jede einzelne Station angucken, nach prüfen ob die Daten stimmen, ob die Aufgaben richtig sind, ob es vielleicht Aufgaben gibt, die in meiner Auflistung noch fehlen und so weiter und so fort.

Und das werde ich mindestens eine Stunde lang machen. 

Danach gönne ich mir eine Pause von 30 Minuten, und die werde ich im Freien verbringen. 

Und so geht dieser Plan immer weiter. 

Du erstellst dir deinen eigenen Projektplan, mit dem du dich jeden Tag ein Stückchen weiter durch deine eigenen Bewerbungsunterlagen arbeitest. 

Du machst den praktischen Teil im Lebenslauf, dann de theoretischen, du sortierstt deine Zeugnisse, du machst dich schlau, wie man so ein PDF ansprechend komprimieren kann, du sammelst Ideen für dein Anschreiben, du probierst verschiedene Formulierungen aus …

Da gibt es 1000 Dinge, um die du dich kümmern kannst. 

Und „Nachrichten lesen“ kommt seine eigenen Zeiten in diesem Projektplan. Nicht alle 5 Minuten im Web nachgucken, sondern feste Termine einplanen, zu denen du dir erlaubst, dich auf den aktuellen Stand zu bringen. Schließlich hast du ein Projekt, um das du dich kümmern musst.

Du wirst merken, dass sich das seltsam anfühlt, dass dir das sogar erstmal widerstreben wird. Weil dir deine Intuition sagt: „Mensch, pass auf, wenn du nicht hinguckst, dann kann Schlimmes passieren!“

Aber ganz im Ernst: Ja, es kann Schlimmes passieren. Und es kann Gutes passieren. Und das ist völlig unabhängig davon, ob du hinguckst oder nicht. 

Denk mal ein oder zwei Jahre in deinem Leben zurück. Da gab es mit Sicherheit auch Ereignisse und Themen, die dich komplett in Atem gehalten haben. Wo du auch ständig versucht hast, unbedingt auf dem Laufenden zu bleiben. 

Und rückblickend: War das wirklich wichtig? Gab es da wirklich irgendeine Nachricht, die du unbedingt innerhalb von 30 Minuten kennen musstest?

Oder ist es nicht vielmehr so, dass dass die Entwicklung immer viel langsamer läuft, als wir ahnen. Und dass wir alles Wichtige sowieso mitkriegen. Ob wir wollen oder nicht. 

Du wirst nichts wichtiges verpassen, nur weil du dich ein paar Stunden um ganz andere Themen kümmerst.

DER TIPP DER WOCHE

Wenn du aus deiner Bewerbung ein Projekt machst und dich selber auch so disziplinierst, dass du das eine Weile durchziehst, sagen wir mindestens 5 Tage. dann wirst du sehr schnell merken, wie es dir mit jedem Tag besser geht. 

Du wirst neue Kraft sammeln Viel besser in der Lage sein, dich mit dem ganzen Mist auseinanderzusetzen, der eben weiterhin da ist.

Nur wird es dich nicht mehr überwältigen oder lähmen. Denn damit ist keinem geholfen.

Und natürlich muss dieses Projekt nicht deine Bewerbung sein, du kannst auch alles andere machen, dein Fahrrad putzen oder die Wände streichen.  

Die Bewerbung hat nur zwei große Vorteile: 

Zum einen gibt es viele Details, um die du dich kümmern kannst, so dass es dich für mehrere Tage beschäftigen wird. 

Und zum anderen wirst du danach eine richtig gute Bewerbung haben. Und einen neuen Job. 

Ein neuer Job, mit interessanten Aufgaben.

Mit sympathischen Kollegen. 

Und auch finanzieller Sicherheit.

Du tust dir ganz kurzfristig etwas Gutes und wirst langfristig davon profitieren. 

Und du wirst wieder genug Kraft haben, um für die da zu sein, die unsere Hilfe und Unterstützung brauchen.

Bis bald.

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