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Podcast #19

Bewerbungen in der Weihnachtszeit

von Volker Klärchen | 5. Dezember 2021
Weihnachten und Geduld - zwei Dinge, die fest zusammengehören. Das lernt man schon als Kind - wobei ... ich kenne da einen, der hat das mit der Geduld damals sehr clever gelöst. Aber, das erzähle ich dir heute gerne am Ende dieser Folge - erstmal geht es wieder um deine Bewerbung. Titelmusik Als Bewerberin brauchst […]
Transkript (hier klicken um den Text anzuzeigen):

Weihnachten und Geduld - zwei Dinge, die fest zusammengehören. Das lernt man schon als Kind - wobei ... ich kenne da einen, der hat das mit der Geduld damals sehr clever gelöst.

Aber, das erzähle ich dir heute gerne am Ende dieser Folge - erstmal geht es wieder um deine Bewerbung.

Titelmusik

Als Bewerberin brauchst du Geduld - das hast du wahrscheinlich auch schon schmerzvoll gelernt.

Du siehst irgendwo eine Stellenanzeige, und sofort fängst du an dich zu beeilen. Schließlich willst du auf keinen Fall riskieren, dass die Stellenanzeige wieder aus dem Netz verschwindet, bevor du deine Bewerbung abschicken konntest.

Auf der anderen Seite, bei der Firma, da sieht es allerdings ganz anders aus. Da läuft alles viiiiel langsaaamer.

Also sitzt du die nächsten Tage zuhause und fragst dich: „Ist meine Bewerbung wohl überhaupt angekommen?“ Denn die Chance ist hoch, dass du erstmal überhaupt nichts hörst.

Vielleicht hast du aber auch eine Eingangsbestätigung bekommen, dann kannst du dich schon sehr glücklich schätzen.

Aber ansonsten heißt es für dich: warten und hoffen.

An der Stelle schon der erste Tipp: Auf keinen Fall solltest du jetzt im Unternehmen anrufen und fragen, ob deine Bewerbung wohl eingegangen ist.

Wenn du sonst im Alltag eine E-Mail verschickst, rufst du ja auch nicht hinterher an. Du vertraust darauf, dass deine Nachrichten zugestellt werden. Nur wenn es um eine Bewerbung geht, dann fangen wir doch an zu zweifeln ... „Vielleicht hat ja dieses Mal irgendwas nicht geklappt?“

Es hat geklappt – darauf darfst du vertrauen. Genau wie sonst auch.

Und wenn du eine Eingangsbestätigung bekommen hast, dann rufst du natürlich sowieso und überhaupt gar nicht an!

Irgendwann ist dann aber der große Tag, und du findest eine Antwort der Firma in deiner Inbox.

Und das ist im besten Fall eine Einladung zum Gespräch - juhu! Darauf musst du dann auch nicht lange warten, die finden ziemlich zeitnah statt.

Aber wie sieht es nach dem Gespräch aus? Da sitzt du dann wieder auf glühenden Kohlen - genau wie vorher. Nein, eigentlich fühlt es sich sogar noch schlimmer an. Denn du bist schon eine Stufe weiter - und damit steigt ja auch die Hoffnung.

Aber … die melden sich einfach nicht.

Und das Gespräch ist jetzt schon zehn Tage her.

Vierzehn Tage.

Drei Wochen.

Und noch immer keine Antwort!

Und du fragst dich, ob du anrufen kannst. Oder sollst. Oder sogar musst!

Wenn du anrufst, dann könnte das ungeduldig wirken. Oder sogar verzweifelt. Das willst du auf keinen Fall.

Aber wenn du nicht anrufst - dann könntest du uninteressiert wirken. So als wäre dir der Job gar nicht wichtig. Vielleicht stellen die dich ja sogar auf die Probe und gucken, ob du dich meldest?

Auch da rate ich zur Geduld: Hinter dieser Pause steckt keine Strategie und kein ausgeklügelter Plan.

Sondern ganz schlicht - Überforderung. 

Das Hauptziel einer Firma ist immer, Geld zu verdienen. Und das tut sie, in dem sie irgendetwas herstellt, etwas verkauft oder eine Dienstleistung anbietet. Sie verdient allerdings kein Geld damit, Bewerber einzustellen. Also nicht direkt. Der Bewerbungsprozess an sich kostet nur Geld.

Deswegen ist alles andere wichtiger - wirklich alles andere.

Genau deswegen dauert der Bewerbungsprozess auch immer länger, als die Firma selber geplant hat. Weil alles, was ungeplant dazwischen kommt, sofort wichtiger ist. Und dann muss die Bewerbung warten.

Es ist also gar kein Wunder, dass es sich auf der Firmenseite so zieht. Da sind immer mehrere Personen beteiligt. Und es reicht, wenn einer von denen keine Zeit hat – sei es, weil sie krank ist oder weil in der Firma irgendwas passiert ist, um dass sie sich jetzt erst mal kümmern muss.

Es dauert also unweigerlich, bis alle Beteiligten irgendwann die Zeit hatten, sich zu entscheiden und sich miteinander abzustimmen. Und bis dahin ist Funkstelle.

Für dich als Bewerber fühlt sich das komplett anders an: Deine ganze Aufmerksamkeit ist auf diese Bewerbung gerichtet. Du denkst jeden Tag daran. Du wartest und hoffst jeden einzelnen Tag.

Bei der Firma passiert in der selben Zeit so viel Alltag, das denen gar nicht bewusst ist, wie viel Zeit schon wieder vergangen ist.

Da sieht man mal wieder, dass Einstein recht hatte: Zeit ist relativ. 

Um dir diese Situation wenigstens ein bisschen zu erleichtern gibt es hier den zweiten Tipp: 

Wenn du zu einem Vorstellungsgespräch eingeladen wirst, dann fragst du am Ende immer, wie es danach weitergeht: „Wann werde ich von Ihnen hören?“ Das gehört ab heute fest zu deinem Fragenkatalog.

Das Datum, das sie dir dann nennen, schreibst du dir gut auf. Allerdings solltest du dir keine falschen Hoffnungen machen: In aller Regel wird sich die Firma bis dahin nicht bei dir gemeldet haben - sondern erst viel später.

Genau aus den Gründen, die ich gerade aufgezählt habe: Es kommt immer etwas dazwischen.

Warum ist die Info dann trotzdem hilfreich? Ganz einfach: Du hast mit der Firma jetzt ein konkretes Datum ausgemacht. Einen Tag, ab dem du genau weißt: Jetzt darf ich nachfragen! Ganz ohne schlechtes Gewissen!

Wenn sie dir also zum Beispiel sagen, „Wir melden uns in den nächsten 14 Tagen bei Ihnen.“ - dann wartest du vielleicht 16 Tage und schickst dann eine höfliche Mail: „Wir hatten ja vereinbart , dass wir ab dem soundsovielten nochmal sprechen. Ich möchte mich daher nach dem aktuellen Stand erkundigen.“

So wird aus „soll ich oder soll ich nicht?“ eine ganz einfache Wiedervorlage auf Termin.

Du siehst also, als Bewerberin brauchst du Geduld. Immer.

Zu Weihnachten allerdings . . . da ist es noch viel schlimmer,

Denn zum Jahresende sind viele Mitarbeiter im Urlaub. Da bleibt so eine Bewerbung dann einfach mal liegen. 

„Ja ne“, wirst du jetzt denken, „die Firma hat doch selbst in die Stellenanzeige geschrieben dass sie zum nächstmöglichen Zeitpunkt jemanden suchen. Dann werden die das ganze doch nicht so planen, dass dann gar keiner da ist!“

Ooooh doch. Denn auch da gilt wieder das, was ich gerade erzählt habe: Natürlich hätte die Firma gerne so schnell wie möglich jemanden. Aber schon der interne Prozess, bis die Stellenanzeige endlich mal veröffentlicht wurde, hat viel länger gedauert als geplant.

Die hätte wahrscheinlich schon vor vier Wochen erscheinen sollen. Und jetzt hat es wieder mal länger gedauert, jetzt ist Urlaubszeit und jetzt bleiben die Bewerbungen eben liegen.

Das passiert.

Und selbst wenn noch jemand da ist: In manchen Branchen gibt es gerade zum Jahresende sehr viel zu tun. Und diese Arbeit muss dann von noch weniger Menschen gewippt werden.

Was ich damit sagen will: Als Bewerberin brauchst du immer viel Geduld.

Und wenn du dich in der Weihnachtszeit bewirbst, dann brauchst du sehr, sehr, sehr viel Geduld.

Der Tipp der Woche

Macht es Sinn, sich in der Weihnachtszeit zu bewerben? Aber hallo!

Denn wie immer bestimmt auch hier die Ausnahme die Regel. Es kann sein, dass du dich Anfang Dezember bewirbst und dann bis Januar überhaupt nichts hörst. 

Kann aber auch sein, dass nicht.

Wenn du dich bewirbst, dann musst du vielleicht sehr lange warten.

Wenn du dich nicht bewirbst, dann musst du mit Sicherheit sehr lange warten.

Eine kleine Chance ist immer besser als gar keine.

Und wenn du von Anfang an mit der Haltung ran gehst „ich schick das jetzt ab, aber ich rechne nicht damit, dass sich in den nächsten Wochen noch was tut“ – dann kannst du höchstens noch positiv überrascht werden.

Positive Überraschungen – darum geht es doch zu Weihnachten, oder?

Damit komme ich zu der Auflösung der Geschichte vom Anfang. Wie ein Kind die Sache mit der Geduld ausgetrickst hat. Das hat jetzt wirklich überhaupt nichts mehr mit Bewerbungen zu tun, aber es ist eine so putzige Geschichte, die werde ich nie vergessen.

Es geht um meinen besten Freund aus Grundschul-Zeiten. Wir haben jeden Tag zusammen gespielt, und einen Winter war eine Fläche so schön glatt überfroren, dass man dort wunderbar Schlittschuh laufen konnte.

Irgendwie hat es sich dann ergeben, dass plötzlich ganz viele Kinder Eishockeyschläger hatten – und Eishockey war plötzlich das angesagte Ding. Nur mein Freund, der hatte keinen Schläger.

Also hat er seinen Eltern gesagt, dass er sich einen zu Weihnachten wünscht. Und eine Weile später, als seine Eltern nicht zu Hause waren, da hat er alles auf den Kopf gestellt und tatsächlich einen versteckten Eishockeyschläger gefunden - im Schlafzimmer.

Am nächsten Tag ist er dann ganz demonstrativ an sein Sparschwein gegangen, hat das ganze Geld rausgenommen und angefangen, sich seine Wintersachen anzuziehen. 

Und so ganz nebenbei hat er seiner Mutter zugerufen: „ ch gehe jetzt los und kauf mir einen Eishockeyschläger. Macht ja ohne keinen Spaß mehr!“

Und schwups war er draußen. Nur ein paar Sekunden später öffnet sich die Tür und seine Mutter ruft: „Warte! Geh noch nicht los!“, verschwindet kurz und drückte ihm den eigentlich für Weihnachten gedachten Schläger in die Hand.

Da hatte er also seinen Eishockeyschläger - sein Gespartes hatte er auch noch, und zu Weihnachten gab es dann ein schönes, anderes Geschenk.

Ganz schön clever, oder?

Du brauchst jetzt allerdings ein klein wenig Geduld, denn wir hören uns erst nächste Woche wieder. Und komm mir jetzt bloß nicht damit, dass du jetzt los gehst, und dir woanders schon mal eine Folge kaufst – darauf falle ich nicht rein.

Bis bald!

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