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Podcast #16

Bewerben auf Teilzeit

von Volker Klärchen | 14. November 2021
"Ich möchte gerne in Teilzeit arbeiten. Lohnt es sich dann, sich auch auf Vollzeitstellen zu bewerben?" Diese Frage wurde mir schon unzählige Male gestellt. Ein guter Grund, dass wir uns das ganze Mal im Podcast genauer anschauen.
Die komplette Folge kannst du dir hier anhören:
Oder auch komplett lesen (hier klicken um den Text anzuzeigen):

Geteiltes Leid ist halbes Leid.

Und geteilte Zeit ist ... manchmal ein zusätzliches Hindernis, das Bewerber überwinden müssen, wenn sie nach dem perfekten Job suchen!

TITELMUSIK

Diese Woche geht es um ein Thema, nach dem ich sehr oft gefragt werde: Was ist die beste Strategie wenn ich mich in Teilzeit bewerben möchte?

Das ist natürlich überhaupt kein Problem, wenn die Stelle sowieso schon in Teilzeit ausgeschrieben wurde. Dann ist die Lage klar - aber was solltest du tun, wenn du dich auf eine Vollzeitstelle bewirbst, in Wahrheit aber nur in Teilzeit arbeiten möchtest? 

Gibt es da sowas wie einen geheimen Trick?

Die kurze Antwort: Nein, den gibt es nicht.

Das gilt übrigens überall im Leben: So sehr wir uns das wünschen, es gibt keine einfachen Lösungen für komplexe Probleme. Lass dir das auch von keinem erzählen, und erst recht nicht verkaufen.

Aber wir sind hier nicht beim Wort zum Sonntag, sondern wir sind beim Thema Teilzeit. Und natürlich gibt es ein paar Tipps, mit denen du deine Chancen erhöhen kannst.

Dir als Bewerber muss ich natürlich nicht erklären, dass Teilzeit eine ganze Menge Vorteile hat: Im Kern ist da erst mal die deutlich verringerte Arbeitszeit. Dadurch lässt sich das eigene Privatleben mit dem Beruf viel besser kombinieren.

Und eventuell bist du sogar flexibler. Denn selbst, wenn du zum Beispiel nur drei Tage in der Woche arbeitest, heißt das ja nicht zwingend, dass das immer dieselben drei Tage sein müssen.

Man kann mit einer Teilzeitstelle ganz schön viel an Freiheit gewinnen. Und trotzdem hat man gleichzeitig die Vorteile, die eine Anstellung mit sich bringt: Ein regelmäßiges, planbares Einkommen, und vor allem hast du jemanden, der für dich in die Sozialversicherung einzahlt.

Warum Bewerber sich also oft eine Teilzeitstelle wünschen, das ist klar. Doch wie sieht Teilzeit denn aus Firmensicht aus? Das fragen sich nur wenige, dabei ist das für die Entscheidung "Zusage oder Absage" viel wichtiger!

Wechseln wir also mal wieder die Perspektive.

Wenn eine Firma die Entscheidung trifft, ob sie eine Stelle auch in Teilzeit besetzen kann, dann muss sie  erst mal ganz schön viele Fragen klären:

Da steht an erster Stelle: Wie sieht eigentlich die Aufgabe aus, die erledigt werden soll. Wie viel ist da zu tun? Vielleicht handelt es sich um einen sehr klar abgegrenzten, kleinen Bereich, den eine Person auch bei reduzierter Arbeitszeit komplett ausfüllen kann.

Dann ist die Antwort natürlich einfach. Dann wäre es ja fast schon unsinnig, dafür jemanden in Vollzeit einzustellen, und deswegen wird so eine Stelle vermutlich auch immer gleich in Teilzeit ausgeschrieben sein.

Gucken wir uns aber den nächsten Fall an, wenn mehr zu tun ist als eine Person in Teilzeit schaffen kann. Dann weiß die Firma also schon, dass sich in Zukunft mindestens zwei Menschen um dieses Thema kümmern müssen - also lautet die nächste Frage: Wie hoch wird der Abstimmungsbedarf zwischen diesen beiden Menschen sein.

Und das kann je nach Aufgabe komplett unterschiedlich aussehen: Vielleicht ist der Abstimmungsbedarf so gering, dass die beiden sich nicht mal begegnen müssen. Vielleicht ist aber auch regelmäßig eine intensive Übergabe notwendig, so dass jede Woche ein beträchtlicher Teil der Arbeitszeit nur dafür benötigt wird, dass die beiden sich gegenseitig auf den neusten Stand bringen.

Und da beginnt es dann schon eine eher finanzielle Frage zu werden: Ist es sinnvoller zwei Teilzeitstellen zu besetzen und den zusätzlichen Aufwand mitzubezahlen, oder fahre ich langfristig günstiger, wenn ich diese Verantwortung eben nur einer Person gebe.

Ein Argument dagegen könnte sein: „Ja aber was ist denn, wenn diese eine Person dann mal krank wird? Dann bleibt alles liegen!“ Wenn es also eine Teilzeitstelle ist, die von mehr als einer Person besetzt wird, dann kann das der Firma auch etwas zusätzliche Sicherheit bieten. Gerade, wenn die Aufgabe wichtig ist, kann das sogar ein gutes Argument sein, das man sich als Bewerber fürs Vorstellungsgespräch schon mal merken sollte.

Umgekehrt gilt allerdings auch: Wenn eine Teilzeitstelle nur mit einer Person besetzt ist, dann gibt es regelmäßig Zeiten, an denen die Ansprechpartnerin einfach nicht da ist. Da muss man sich überlegen, ob es vertretbar ist, ob man jemandem am Donnerstag sagen kann: „Das muss jetzt bis Montag liegenbleiben, vorher ist sie nicht wieder hier.“

Wir haben also schon zwei Gegenargumente aus Sicht der Firma:

Der zusätzliche Aufwand, der durch Teilzeit entstehen kann. Und die Tatsache, dass eine Teilzeitkraft für die Kollegen eben auch nicht immer verfügbar und ansprechbar ist.

Doch jetzt kommt noch ein drittes, mindestens genauso wichtiges Thema, nämlich die Frage nach dem warum. Warum will dieser Mensch eigentlich Teilzeit?

Da könnte man sich erst mal denken, dass es den Firmen egal sein könnte. Ist es aber nicht.

Denn auch das kann wichtige, langfristige Auswirkungen für die Firma haben.

Ein häufiger Grund, warum jemand in Teilzeit arbeiten möchte, ist natürlich im Privatleben zu finden. Oft sind es Kinder oder andere Familienmitglieder, für die jemand zu Hause bleiben muss.

Sowas stört die Firma auch nicht weiter - zumindest nicht mehr als das Thema Kinder generell bei den Firmen immer ein bisschen Schnappatmung auslöst. So nach dem Motto „Oh die hat ein kleines Kind, die muss bestimmt oft zu Hause bleiben.“ Aber das trifft auf Vollzeitstellen genauso zu wie auf Teilzeit, das macht also bei diesem Thema keinen Unterschied.

Ein anderer häufiger Grund ist aber, dass jemand gerade dabei ist, sein *eigenes* Geschäft aufzubauen. Vielleicht möchtest du dich gerade selbstständig machen, bist aber noch nicht bereit, das ganze Risiko zu tragen. Also suchst du dir eine Teilzeitstelle, damit dieses Unternehmen dir ein Fundament liefert, auf dem du dann deine eigene Selbstständigkeit aufbauen kannst. Also ein regelmäßiges Gehalt und jemand, der deine Krankenversicherung bezahlt.

*Das* mögen Firmen allerdings überhaupt nicht, denn bei solchen Mitarbeitern ist immer klar: Ihr Fokus wird immer auf der eigenen Tätigkeit liegen. Die werden vielleicht nachts und am Wochenende an ihrem eigenen Geschäft arbeiten und kommen dann Montag früh erschöpft ins Büro.

Und noch schlimmer: Wenn ihr eigenes Geschäft dann irgendwann funktioniert, dann werden sie sofort kündigen und sich nur noch darum kümmern. Mit Loyalität und langfristiger Perspektive kann das Unternehmen in dem Fall eher nicht rechnen - und das bedeutet, dass sie dann wieder jemand neues finden und einarbeiten müssen - und wieder neue Kosten entstehen.

Es geht am Ende eben immer um die Zahlen.

Als Bewerber ist die Sache so einfach: Teilzeit ist toll! Nur für die Firmen ist das richtig kompliziert.

Deswegen gibt es auch keine Wunderlösung, wie man eine Firma dazu bringen kann, dich in Teilzeit einzustellen. Denn oft ist die Entscheidung schon längst gefallen, lange bevor du dich überhaupt beworben hast: Teilzeit ist für manche Stellen einfach nicht sinnvoll.

Da kannst du dann rhetorisch so geschickt argumentieren, wie du willst: Du wirst an dieser Entscheidung nichts ändern können. 

Doch es gibt eben auch einen kleinen Teil an Vollzeitstellen, bei denen die Firma durchaus noch offen dafür wäre, sie auch in Teilzeit zu besetzen. Und wie du in diesen Fällen am besten vorgehst und wie du diesen Wunsch am besten äußerst – das verrate ich dir im …

TIPP DER WOCHE

In der Bewerbung gilt eine einfache Grundregel:

Alles, was für dich spricht, erwähnst du so früh wie möglich.

Und alles, was möglicherweise gegen dich spricht, erwähnst du so spät wie möglich.

Du weißt jetzt, dass Teilzeit nicht unbedingt das Lieblingsmodell der Arbeitgeber ist. Wenn die Stelle also nur in Vollzeit ausgeschrieben ist und du eigentlich nur in Teilzeit arbeiten möchtest, dann ist das etwas, was gegen dich sprechen könnte.

Deswegen solltest du es so spät wie möglich erwähnen. 

Wenn du es gleich in dein Anschreiben aufnimmst, dann ist die Hemmschwelle, dich deswegen sofort auszusortieren, sehr, sehr niedrig. Denn zu dem Zeitpunkt bist du noch eine von vielleicht 400 und du bist nur ein PDF. Da verbindet man noch keine Gefühle mit.

Wenn du aber fachlich und menschlich überzeugt hast und im Gespräch bist – dann sieht die Sache anders aus:

Jetzt bist du eine von vielleicht acht. Die Menschen aus der Firma kennen dich persönlich und haben dir mit der Einladung auch schon signalisiert, dass sie an dir grundsätzlich interessiert sind.

So eine Bewerberin sortiert man nicht mehr so einfach aus, sondern jetzt muss man sorgfältig entscheiden: Wollen wir sie einstellen? Und wie sehr wollen wir das? Sind wir bereit, dafür ein zusätzliches Risiko einzugehen? Können wir uns das leisten?

Und jetzt ist auch genau der richtige Moment, um diese Fragen zu stellen.

Denn jetztbist du in einem echten Dialog. Du kannst die Reaktion der Firma hören, und du hast sofort die Gelegenheit, deine eigenen Argumente zu bringen. Du erinnerst dich ja zum Beispiel an die Sache mit der zusätzlichen Sicherheit, nicht wahr?

Wenn du also eine Chance hast, die Entscheidung der Firma noch zu beeinflussen – dann jetzt.

Wie sind deine Erfahrungen mit Teilzeit? Hast du das schon versucht? Hast du vielleicht schon geschafft? Oder hast du noch ganz andere Fragen, die dich beschäftigen? Dann lass es mich wissen!

Du weißt ja, ich freue mich auf deine Fragen. Schick mir eine Sprachnachricht über LinkedIn, Facebook oder Instagram, und schon bald wird vielleicht auch dein Thema mein Thema im Podcast sein.

Für heute ist allerdings erstmal Schluss, denn ich bin ja hauptberuflich Bewerbungscoach, und den Podcast, den mache ich nur in Teilzeit.

Also:

Bis bald!

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