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Podcast #13

Lügen in der Bewerbung

von Volker Klärchen | 24. Oktober 2021
Lügen haben kurze Beine? Dafür können sie aber sehr gut laufen! Lügen in deiner Bewerbung können dich sogar dein ganzes Berufsleben lang einholen. Doch was zählt eigentlich als Lüge, und wann ist Lügen sogar ausdrücklich erlaubt?
Die komplette Folge kannst du dir hier anhören:
Oder auch komplett lesen (hier klicken um den Text anzuzeigen):

Ausgabe 13. Es gibt ja Menschen die fest davon überzeugt sind, dass diese Zahl Unglück bringt. 

Und deswegen beschäftigen wir uns heute mit einem Thema, das wirklich viel Unglück bringen kann - ob man dran glaubt oder nicht.

TITELMUSIK

Du sollst nicht lügen - ob dir das nun deine Religion oder deine Oma beigebracht hat, inhaltlich sind wir uns da alle einig. Die meisten jedenfalls. Und Lügen in der Bewerbung - das ist ein ganz heikles Thema

Wie schnell kommt man da auf die Idee, ein paar Details zu verändern, damit einem keine lästigen Fragen gestellt werden. Und ist sich gar nicht bewusst, welches Risiko man damit eingeht.

Denn eine Lüge in deiner Bewerbung ist ein Grund zur fristlosen Kündigung – und das zu jedem Zeitpunkt. Es ist keinesfalls so, dass du nur die Probezeit überstehen musst, und wenn es bis dahin keiner gemerkt hat ist alles gut. 

Ganz im Gegenteil: Selbst viele, viele Jahre später kann man dich immer noch fristlos entlassen wenn rauskommt, dass du in deinen Unterlagen gelogen hast.

Aber was genau stellt denn nun alles eine Lüge dar?

Da muss ich eine kurze Warnung vorweg schicken: Ich bin kein Anwalt und auch kein Experte für Arbeitsrecht. Betrachte das, was ich dir in dieser Folge erzähle, daher nicht als juristische Beratung.

Nicht, dass du später vor Gericht stehst und versuchst dich zu verteidigen: „Euer Ehren, der Klärchen hat genau diesen Fall damals im Podcast nicht erwähnt, also muss es ja legal sein!“

Lass dich im Zweifelsfall immer von einem Juristen beraten.

Zurück zum Thema:

Wie kann es denn überhaupt dazu kommen, dass eine Lüge erst nach Jahren auffliegt? Wer guckt denn in deine alte Bewerbung, wenn du schon 20 Jahre im Unternehmen bist?

Die erschreckende Antwort: Jemand, der dich loswerden will.

Kein Mensch guckt ohne Anlass in alte Lebensläufe und denkt sich: Ich gucke einfach mal, ob das auch alles stimmt.

Aber wenn es schon Probleme gibt und die Firma beschließt, dass es schöner wäre, wenn du nicht mehr dort arbeiten würdest - dann kommt es durchaus vor, dass Personaler auf die Suche gehen. Auf die Suche nach Gründen.

*Dann* kann es passieren, dass jemand deinen Lebenslauf von anno-dazumal hervorkramt und ganz genau prüft, ob du auch bei allen Punkten die Wahrheit gesagt hast.

Und wenn der dann fündig wird - dann hat man eine einfache und vor allem kostengünstige Art gefunden, das Arbeitsverhältnis mit dir zu beenden.

Aber was zählt denn jetzt eigentlich alles als Lüge:

Wenn du zum Beispiel schreibst, dass du einen bestimmten Abschluss gemacht hast – eine Ausbildung oder ein Studium – aber du hast es in Wahrheit nie erfolgreich bestanden – das ist dann eine glasklare Lüge.

Und ich kenne Menschen, die so verzweifelt waren, dass sie das tatsächlich getan haben. Weil sie geglaubt haben, ohne ein Diplom in der Tasche kriegen sie einen bestimmten Posten einfach nicht.

Und dann sitzt du da im Büro und machst vielleicht auch schon seit Jahren einen richtig guten Job – aber über dir schwebt die ganze Zeit dieses Damoklesschwert, das jederzeit auf dich runter fallen kann.

Aber nicht jede Lüge muss gleich so groß sein.

Die beliebteste Lüge – wenn ich das überhaupt so nennen darf – ist es, die Zeiten ein wenig zu verändern. Nehmen wir mal an, du hast bis Februar in einem Unternehmen gearbeitet und dann erst wieder im November irgendwo anders angefangen.

Das wäre also eine Lücke von acht Monaten. Weil dir das unangenehm ist, verschiebst du die Zeiten ein wenig. Im Lebenslauf steht dann etwa, dass du bis April noch in der alten Firma warst und schon im September im neuen Unternehmen angefangen hast.

Und schon hast du die Lücke halbiert und sie sieht nicht mehr ganz so gewaltig aus.

Doch auch das ist eine Lüge. Und auch das kann für dich später mal sehr gefährlich werden.

Das wäre außerdem eine vollkommen unnötige Gefahr, weil Lücken nicht so schlimm sind, wie viele Leute denken. Dazu werde ich auch noch mal eine eigene Folge aufnehmen.

Für heute reicht es wenn du dir merkst:

Eine Lücke ist nie so schlimm wie eine Lüge

Zumal man diese Lüge auch noch relativ leicht aufdecken kann. Es soll sogar Menschen gegeben haben, die haben im Lebenslauf falsche Zeiten angegeben und trotzdem die Zeugnisse angehängt, in denen die richtigen Daten standen. Dumm gelaufen…

Gleichzeitig möchte ich dich aber auch ein wenig beruhigen:

Es gibt auch Situationen, in denen man sich schlicht mal vertippt. Wo also ein falsches Datum im Lebenslauf steht, dass aber überhaupt keine Absicht war.

Und – ich erinnere noch mal an meine Disclaimer vom Anfang: ich bin kein Jurist – für so ein Versehen wurde meines Wissens noch nie jemand belangt.

Denn man kann in der Regel gut unterscheiden, ob jemand einfach nur die falsche Taste erwischt hat oder systematisch versucht hat, seinen Werdegang zu beschönigen.

Noch mal: Lücken muss man nicht beschönigen.

Jede Lücke ist besser als eine Lüge.

Und es ist übrigens auch keine Lüge, wenn in deinem Lebenslauf steht, dass deine Englischkenntnisse sehr gut sind, aus Sicht der Firma sind sie aber nur gut.

Das ist etwas ganz anderes. Hier geht es um eine Einschätzung, die man durch aus unterschiedlich vornehmen kann. Und außerdem geht es um eine Fähigkeit, die man im Bewerbungsprozess sehr leicht überprüfen kann: 

Wenn ich sichergehen möchte, dass meine Bewerberin wirklich exzellentes Englisch spricht, dann verlasse ich mich doch nicht nur auf ihre Aussage. Dann werde ich einfach mal das Bewerbungsgespräch für 10 Minuten auf Englisch führen.

Und es ist auch keine Lüge, wenn du etwas *nicht* erwähnst.

Eine Bewerbung ist schließlich kein Gerichtsverfahren. Da kann es manchmal sogar sehr hilfreich sein, manche Sachen nicht mehr zu erwähnen.

Wenn du schon 20,30 Jahre Berufserfahrung hast und würdest wirklich jede einzelne Station detailliert aufführen – dann wird dein Lebenslauf sehr schnell so lang, dass ihn kein Mensch mehr liest.

Natürlich darfst du dann Informationen weglassen, damit das Dokument wieder übersichtlicher wird. Das gilt vor allem für Menschen, die mehrere Jobs parallel hatten oder in kurzer Zeit bei vielen verschiedenen Unternehmen angestellt waren.

Da darf man dann durchaus mal Dinge zusammenfassen, damit die Firma schneller versteht, wie dein Werdegang war.

Auch, wenn du einen neuen Job gefunden hast und nach ein paar Wochen feststellst – hier geht es nicht weiter, wir werden uns wieder trennen. Auch da bist du nicht verpflichtet, diese kurze Station anzugeben.

Manchmal kann es einfacher sein, stattdessen zu schreiben, dass man weiterhin arbeitssuchend war.

Weglassen ist keine Lüge.

Damit kommen wir zu dem spannendsten Part: manchmal ist es dir als Bewerberin nämlich sogar ausdrücklich erlaubt, zu lügen.

Cool, oder? Wo gibt's das sonst?

Denn eine Firma möchte natürlich so viel wie möglich über dich erfahren, manche Themen sind allerdings tabu. Darunter fällt alles, was man üblicherweise zur Privatsphäre zehn: Religion, Politik - und auch Familie.

Das sind alles Themen, nach denen die Firma dich nie fragen darf. Auch nicht im Vorstellungsgespräch.

Daran halten sie sich nur nicht immer.

Sitzt du jetzt also im Vorstellungsgespräch und der freundliche Mensch dir gegenüber fragt, ob du Kinder hast. Oder ob du vorhast, in nächster Zeit welche zu bekommen.

In der Situation nützt es dir natürlich herzlich wenig wenn du weißt, dass er dir diese Frage gar nicht stellen darf. Aber was sollst du jetzt tun?

Wenn du jetzt sowas antwortest wie also hören Sie mal, laut Gesetz ist diese Frage gar nicht zulässig. Sie verhalten sich gerade illegal!

Dann sind die Chancen, dass du diesen Job noch bekommen wirst, sagen wir mal… sehr gering. Denn obwohl du inhaltlich vollkommen recht hast, lässt sich das natürlich niemand gerne sagen.

Deswegen hat der Gesetzgeber sich darüber Gedanken gemacht, wie du aus dieser Situation herauskommen kannst, ohne dir selber zu schaden.

Und das kannst du dir so ähnlich vorstellen wie Notwehr: du darfst nicht auf die Straße gehen und den nächst besten Menschen, der dir entgegenkommt, eine Ohrfeige geben. Aber wenn dieser Mensch dich körperlich angreift, dann darfst du sogar noch viel mehr.

Und so ist das auch mit diesen Fragen: Wenn du eine Frage gestellt bekommst, die nicht zulässig ist, dann darfst du dich mit einer Lüge wehren.

Und das beste ist: Dafür darf man dich niemals bestrafen.

Auf die Frage nach dem Kinderwunsch kannst du also antworten: Ich hasse Kinder. Ich werde nie im Leben eigene Kinder haben! - und das dürftest du sogar sagen, wenn du diesen Moment schon wüsstest, dass du schwanger bist.

Es hat die Firma einfach nicht zu Interessieren, wie deine private Familienplanung aussieht.

DER TIPP DER WOCHE

Jede Lücke ist besser als eine Lüge

Und das sage ich aus ganzem Herzen und aus Erfahrung:

Ich habe schon mit Menschen gearbeitet die mehr als nur Lücken in ihrem Lebenslauf hatten. Da sind Menschen dabei gewesen die wegen einer Alkoholerkrankung lange Zeit nicht arbeitsfähig waren.

Die wegen fahrlässiger Tötung im Gefängnis gesessen haben.

Menschen die wirklich schwere Schicksalsschläge erlebt haben, über die sie in ihrer Bewerbung nicht sprechen wollten oder konnten.

Mit alldem kann man sich immer noch erfolgreich bewerben.

Du darfst in der Bewerbung viel ehrlicher sein, als du glaubst.

Das ist die Wahrheit.

Bis bald

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