010: Motivationsschreiben und dritte Seite

Veröffentlicht am 03.10.2021

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Wenn doch alles im Leben so einfach wäre wie Bewerbungen - wäre das nicht schön?

Schließlich braucht man gar nicht viel, um sich erfolgreich auf eine neue Position zu bewerben.

Man braucht ein PDF mit allen Zeugnissen, einen Lebenslauf, ein Anschreiben … Ach ja, und manchmal noch ein Motivationsschreiben. Und eine dritte Seite …

Aber - was ist das eigentlich alles?

TITELMUSIK

Bevor wir jetzt fachlich werden, möchte ich erstmal ein bisschen jubeln, denn das hier ist schon die zehnte Ausgabe meines Podcasts.

Seit zehn Wochen gibt es nun jeden Sonntag eine neue Folge. Und ich bin ehrlich gesagt baff, wie schnell die Zeit vergeht.

Und ich freue mich, dass du diese Woche auch wieder dabei bist - und dass du den Podcast abonniert hast. Sonst wär das Ganze hier auch ziemlich sinnfrei. 

Also: schön dass du da bist, schön dass ich da bin - auf geht's!

Anschreiben, Motivationsschreiben, dritte Seite.

Das sind Begriffe, die du bestimmt auch schon mal in einer Stellenanzeige gesehen hast. Und atürlich hast du dich dann gefragt, was zur §%&$ ist der Unterschied?

Und wie immer werde ich dir heute nicht nur die Antwort liefern, sondern ich verspreche dir, das wird dir das Leben in Zukunft leichter machen. Denn es ist mal wieder viel einfacher, als du bisher ahnst.

(kannst du inzwischen auch, warum dieser Podcast "einfach bewerben" heißt.)

Aber schauen wir erstmal zurück, wie es zu diesen ganzen Begriffen eigentlich gekommen ist.

Die Geschichte des Anschreibens ist eine Geschichte voller Missverständnisse.

Auf der einen Seite ist eine Firma, die ihre Bewerber gerne kennen lernen möchte – und auf der anderen Seite sind Bewerber, die auf keinen Fall etwas falsch machen möchten. Und das führt zu ganz seltsamen Phänomenen.

Vielleicht hast du die Folge Nummer zwei gehört, in der es um das typische Anschreiben geht. Dann weißt du auch schon, dass die meisten Anschreiben sich überraschend ähnlich sind – obwohl sie von ganz unterschiedlichen Menschen geschrieben werden..

Im Grunde könnte man bei fast allen Bewerbungen oben den Namen der Absender austauschen und es würde nicht mal jemandem auffallen.

Mit Pech nicht mal dem, der sie selber geschrieben hat. Denn da stehen immer wieder dieselben Floskeln drin, immer wieder dieselben Inhalte.

Deswegen: falls du die Folge 2 noch nicht gehört hast, mach dir mal den Spaß. Du wirst vermutlich sehr lachen.

Und das ganze wäre auch komisch, wenn es nicht gleichzeitig so tragisch wäre. Denn für die Firmen bedeutet das, dass ein Anschreiben denen in der Regel überhaupt nicht weiterhilft, eine gute Entscheidung zu treffen.

Denken wir uns mal eine ähnliche Situation aus:

Stell dir vor, du suchst einen Dienstleister, der auf deine Kinder aufpassen soll. Da ist dir natürlich wichtig, dass du am Ende den richtigen Menschen dafür auswählst. Einem, den du deine Kinder auch wirklich anvertrauen magst.

Also schaltest du eine Anzeige und sagst, ich suche einen lieben Menschen, der sich zweimal die Woche nachmittags um meine beiden kleinen Kinder kümmert. Du solltest natürlich kinderlieb, sehr empathisch und gerne auch besonders kreativ sein.

Und jetzt kriegst du lauter Zuschriften von Menschen, die nichts anderes machen, als dir deine eigene Anzeige nochmal zu erzählen:

Da steht dann also drin:

Hey, ich hab deine Anzeige gesehen und würde sehr gerne auf deine Kinder aufpassen. Ich bin kinderlied, sehr empathisch und kreativ bin ich außerdem auch noch.

Und das steht dann in fast allen Nachrichten, die du bekommst. Und warum? Weil die Leute glauben, wenn sie die Worte benutzen - diese Worte, die du benutzt hast – dann wirst du schon merken, dass es gut passt.

Aber in Wahrheit hilft dir dieses spiegeln überhaupt nicht. Weil plötzlich alle, die sich bei dir melden, genau das selbe sagen.

Und genauso geht es auch den Unternehmen mit ihren Bewerben:

Die haben oft das Gefühl, dass alle aus demselben Ratgeber abschreiben. Aber wer Ihnen da geschrieben hat – was für ein Mensch dahinter steckt – das erfahren Sie nicht.

Das ist denen aber wichtig, sehr wichtig sogar. Denn die Arbeit, also alles fachliche , das ist ja nur ein Teil des Puzzles.

Am Ende sollst du ja auch gut in das Team und in die Unternehmenskultur passen. Und da zählen eben auch Dinge wie Charakter und Persönlichkeit.

Jetzt sitzt du also da und überlegst dir: Wie kann ich denn mal rausfinden, was für Menschen hinter den Nachrichten stecken? Was ist die Geschichte hinter dem Anschreiben?

Und da sind die Firmen irgendwann auf die Idee gekommen, die Bewerber gezielt nach dem Grund für ihre Bewerbung zu fragen. 

Sie sollen uns also nicht sagen, dass sie kinderlieb und empathisch und kreativ sind, sondern sie sollen uns endlich sagen, was ihre Werte sind, was sie antreibt.

Was ist die Motivation? Und damit war das Motivationsschreiben geboren.

Die Hoffnung dahinter war, dass die die Leute jetzt nicht mehr den selben Quark schicken wie sonst, sondern dass sie endlich etwas über sich erzählen. 

Und dreimal darfst du raten, was passiert ist.

Die Leute haben ein Anschreiben geschickt, das genauso inhaltlos war wie immer. Und haben sich für das Motivationsschreiben neuen Unsinn ausgedacht:

Warum ich bei ihnen arbeiten möchte? Weil ihre Unternehmen so ein gutes image hat. Weil sie so familienfreundlich sind. Weil sie Marktführer sind. Und so weiter und sofort

Und merkst du was? Schon wieder erfährt die Firma überhaupt nichts über dich. Im Anschreiben reden die Bewerber über die Stellenanzeige, im Motivationsschreiben über die Firma. Aber kein Wort über sich selbst. Zumindest kein hilfreiches.

Was hat die Firma also gewonnen? Überhaupt nichts. Ganz im Gegenteil sogar, sie muss jetzt pro Bewerbung noch ein Dokument mehr lesen als früher.

Also haben die klugen Menschen in den Unternehmen wieder ihre Köpfe zusammengesteckt und sich überlegt:

Wir müssen den Bewerbern irgendwie die Möglichkeit geben, etwas über sich zu erzählen. Offenbar reicht der Platz, denen wir Ihnen bisher dafür bieten, noch nicht – also geben wir Ihnen mehr Platz.

Daraus wurde dann: du ahnst es schon, die dritte Seite.

Und unter Begriff kann sich nun wirklich kein Mensch mehr was vorstellen. Und es wird dich vermutlich nicht mehr überraschen, wenn du hörst, dass damit exakt dasselbe passiert ist, wie mit dem Motivationsschreiben.

Die Bewerber sehen es einfach als noch eine Aufforderung, möglichst wohlklingende politisch korrekte Sätze in einem weiteren Dokument zu verpacken.

Wieder keine hilfreichen Informationen, und schon wieder noch mehr zu lesen. Hip hip hurra!

Diese ganzen Dokumente – Anschreiben, Motivationsschreiben und dritte Seite – das ist nichts anderes als der verzweifelte Versuch der Firmen, dir eine Chance zu geben, über dich selbst zu schreiben. Dich und deine Persönlichkeit in der Bewerbung zu zeigen.

Das macht nur keiner. Und das ist auf der einen Seite sehr tragisch doch auf der anderen Seite deine große Chance.

Denn wenn du ein Anschreiben formulierst, in dem es wirklich um dich geht. Nicht um den Job, nicht um das Unternehmen, nicht um das fachliche oder zumindest nicht nur, sondern hauptsächlich um dich als Mensch - dann hast du damit drei Fliegen mit einer Klappe geschlagen.

Wenn du so einen Text nämlich als Anschreiben verschickst, dann wirst du sehr schnell feststellen, dass die Firmen ganz anders darauf reagieren, als auf diese inhaltslosen 08/15-Anschreiben, die sie sonst immer erhalten.

Und wenn die Firma ein Motivationsschreiben fordert, dann schickst du denselben Text da hin. Das ist ein Motivationsschreiben. Denn es stellt dich dar, deine Geschichte, deine Ziele, deine Erfahrungen.

Und wenn das Unternehmen eine dritte Seite möchte? Schickst du auch exakt den selben Text. Denn du weißt jetzt: hinter all diesen verschiedenen Bezeichnungen steckt die selbe Absicht

DER TIPP DER WOCHE

Mit einem guten Anschreiben musst du dir um Motivationsschreiben und dritte Seite  keine Gedanken mehr machen. Du bist dann für alle Fälle gerüstet.

Was aber in den Fällen, in denen ausdrücklich beides gefordert wird? Also Anschreiben und zum Beispiel Motivationsschreiben?

Dann machst du dir eben den Spaß und schickst ein Anschreiben, wie du sie zu tausenden im Internet als Vorlage findest. Und als Motivationsschreiben schickst du dann den richtig guten Text.

Und damit tust du dir einen riesigen Gefallen, vor allem aber auch den Unternehmen. Denn die freuen sich jedes Mal, wenn da ein Text kommt, der so klingt, als hätte ihn wirklich ein Mensch geschrieben. Und nicht eine Behörde.

Einen Text, der persönlich wirkt und nicht wie der Mix der 100 besten Floskeln.

Und wenn du dabei Unterstützung brauchst, deine eigene Geschichte in vier Absätzen individuell und überzeugend zusammenzufassen – dann melde dich bei mir. Das ist meine Spezialität.

Bist du dann dann eigenes dritte Seite Motivationsanschreiben hast sage ich …

bis bald.

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