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Podcast #8

Die Stellenanzeige ist wieder online

von Volker Klärchen | 19. September 2021
Du hast dich beworben und bist vielleicht sogar eingeladen worden. Doch am Ende kam die Absage – und jetzt ist die Stellenanzeige wieder online. Solltest du dich dann noch mal bewerben?
Die komplette Folge kannst du dir hier anhören:
Oder auch komplett lesen (hier klicken um den Text anzuzeigen):

Als ich noch ziemlich klein war, habe ich mal einen gruseligen Film im gesehen: Das Gespenst von Canterville.

Heute weiß ich, dass das ein Buch von Oscar Wilde ist, aber damals konnte ich mich hinterher nur an eine einzige Sache erinnern. 

In dem Schloss, wo die Geschichte spielt, da war auf dem Fußboden eine Stelle. Ein Blutfleck.

Jeden Tag haben die Bewohner diese Stelle ganz sorgfältig geputzt, bis nichts mehr zu sehen war.

Doch am nächsten Tag war die Stelle immer wieder da.

Und ob du’s glaubst oder nicht.

In der heutigen Folge geht es um etwas ganz Ähnliches.

TITELMUSIK

Und dieses gruselige Thema wird Ihnen präsentiert von - Katharina!

DIE FRAGE DER WOCHE

„Ich habe mich auf eine Stelle beworben. Ich wurde auch zum Vorstellungsgespräch eingeladen und ich hatte eigentlich auch das Gefühl, dass es ganz gut lief. Ein paar Tage später habe ich aber die Absage erhalten. 

So, das Ganze liegt jetzt einen Monat zurück. Ich habe jetzt aber gesehen, dass die Stellenanzeige wieder online ist. Jetzt frage ich mich natürlich, lohnt es sich, sich noch mal zu bewerben?

Oder wirkt das irgendwie ein bisschen lächerlich, weil durch die Ablehnung haben sie ja letztendlich schon gezeigt, dass sie mich nicht wollen und ich ja eigentlich auch dann denke, dass sie mich doch noch mal angerufen hätten, wenn sie Interesse an mir hätten. 

Daher frage ich mich wirklich: Macht es Sinn, da jetzt noch mal sich zu melden oder wirkt das Ganze eher unprofessionell?“

Tja, Katharina, da hast du was erlebt, was sicherlich ganz viele kennen. Man bewirbt sich, man wird vielleicht sogar eingeladen, aber irgendwann gibt es dann doch die Absage. Und kurz danach ist die Stelle dann wieder online.

Wie kommt das? Und wie solltest du dich jetzt richtig verhalten? Und steckt dahinter vielleicht auch ein gruseliges Gespenst?

Na gut, den dritten Teil der Frage kann ich schon mal direkt beantworten: Wir haben es hier nicht mit einem Gespenst zu tun, eher schon mit einem Zombie.

Denn eine mögliche Erklärung in so einem Fall ist, dass es diese Stelle nie gegeben hat.

Ja, genauso wie du jetzt, habe ich auch geguckt, als ich das zum ersten Mal erfahren habe. Es gibt tatsächlich Stellenanzeigen im Internet, hinter denen überhaupt keine offene Stelle steckt,

Aber was hat das für einen Sinn? Denn schließlich habe ich in einer der letzten Folgen schon mal gesagt, dass du ruhig davon ausgehen darfst, dass eine Firma auch wirklich Bewerbungen bekommen möchte, solange die Stellenanzeige noch online ist. 

Widerspricht sich das nicht?

Leider nicht.

Denn es gibt verschiedene Szenarien, in denen das Unternehmen tatsächlich gerne eine Bewerbung von dir hätte – nur leider nicht, um dir in nächster Zeit einen Job zu geben. 

Schauen wir uns das mal an.

Da gibt es als Erstes den Fall, dass im Unternehmen tatsächlich ein Posten frei geworden ist. Doch es steht schon lange fest, wer diesen Job bekommen soll.

Aber, damit alles mit rechten Dingen zugeht – und bei den „rechten Dingen“ darfst du dir jetzt gerne Anführungszeichen vorstellen – muss die Stelle ausgeschrieben werden.

Sonst heißt es nachher wieder, da wäre Vetternwirtschaft im Spiel gewesen oder so was. Um sich dagegen abzusichern, wird also schön brav eine Stellenanzeige gepostet.

Und obwohl du nie eine Chance hättest, diesen Posten auch wirklich zu bekommen, möchte die Firma natürlich Bewerbungen haben.

Aber nur, um später sagen zu können: „Es war leider keine passende Kandidatin dabei.“

Das gibt es und dagegen kann man auch nichts tun. Das wäre also eine Möglichkeit, warum dir so was passiert ist.

Eine zweite Möglichkeit ist, dass das Unternehmen einfach nur Kandidaten sammeln möchte. Das machen zum Beispiel Personalvermittler sehr gerne.

Die schreiben Stellen aus, von denen sie vermuten, dass ihre Kunden so was über kurz oder lang sowieso suchen werden.

Und deswegen sammeln Sie jetzt schon mal vorab Kandidaten, mit denen Sie Ihren Pool befüllen.  Also, keinen Swimmingpool, aber das war vermutlich sowieso klar … oder?

Und wenn dann später eine Firma auf diesen Personalvermittler zukommt und sagt „Haben Sie da jemanden für uns?“, dann greifen die quasi nur noch in die Schublade und sagen: „Hier, suchen sich einen aus.“

Es gibt also einen Job, nur nicht jetzt.

Und die dritte Möglichkeit ist, dass es keine Stelle zu besetzen gibt und auch nicht geben wird – und dass das jedem im Unternehmen auch klar ist. Nur die Konkurrenz soll das nicht wissen.

Das ist leider kein Witz. Es gibt Unternehmen, die Stellenanzeigen schalten, nur um der Konkurrenz zu zeigen: „Schaut mal her, bei uns läuft’s richtig gut. Wir müssen sogar noch Leute einstellen!“

Das ist für die also reines Marketing.

Dagegen ist ja auch im Grunde nichts zu sagen, wenn das nicht gleichzeitig ein Spiel mit den Hoffnungen von ganz vielen Bewerbern wäre.

Und dann ist natürlich auch klar: Ganz egal wie gut deine Bewerbung ist, du wirst immer eine Absage erhalten.

Das sind also drei mögliche Fälle, in denen du eine Stellenanzeige siehst und in Wahrheit keine Chance hast. 

Das muss es in Katharinas Fall aber gar nicht unbedingt gewesen sein. Denn auch wenn die Firma ganz fair spielt und wirklich nach guten Kandidaten sucht, dann kann so was trotzdem noch passieren.

Möglich ist das zum Beispiel, wenn nicht nur du eine Absage bekommen hast, sondern alle Kandidaten, die sich beworben haben. Weil einfach der oder die Richtige noch nicht dabei war.

Und vielleicht wurde intern sogar ganz kontrovers diskutiert, ob du den Job bekommen sollst oder nicht, nur konnte man sich am Ende nicht einigen.

Und irgendwann hat man dann gesehen: „Oh Mist, jetzt haben wir überhaupt niemanden mehr im Rennen. Na, dann gucken wir eben mal, was der Markt noch so hergibt.“ Und nach einem Monat ist die Anzeige plötzlich wieder da.

Wie sinnvoll ist es jetzt, sich noch mal zu bewerben?

Nicht sehr. Es wäre überhaupt nicht unprofessionell oder sogar lächerlich, es würde nur in den meisten Fällen nichts bringen.

Die Firma hat dich erst vor Kurzem kennengelernt und weiß natürlich immer noch, dass es dich gibt.

Wenn sie also großes Interesse an dir hätten, dann würden sie von sich aus auf dich zukommen. Und das passiert auch recht oft. 

Da sich bei dir aber niemand gemeldet hat, kannst du dir die Enttäuschung einer zweiten Absage lieber ersparen.

Die letzte Möglichkeit ist dann, dass sie tatsächlich jemanden eingestellt haben, aber dieser Mensch inzwischen wieder weg ist.

Schließlich gibt es ja noch die Probezeit und die ist dafür da, herauszufinden, ob beide Seiten wirklich langfristig miteinander arbeiten wollen.

Und leider stellt man ab und zu fest. „Ne, das war’s leider doch nicht. Wir werden uns wieder trennen.“

Auch der Fall würde von außen genauso aussehen, wie du es erlebt hast. Die Stellenanzeige ist plötzlich wieder da und die Firma ist wieder auf der Suche.

Aber auch hier gilt:

Sie erinnern sich an dich. Sie wissen, dass es dich gibt.

Und wenn sie großes Interesse hätten, würden sie dich kontaktieren.

Das heißt natürlich nicht, dass du dich auf gar keinen Fall noch mal bewerben darfst. Wenn dir eine weitere Absage im Moment nicht besonders wehtun würde, dann mach es!

Denn mehr als absagen können sie ja nicht. Etwas Schlimmeres kann dir nicht passieren.

Ich möchte nur immer dafür sorgen, dass die Menschen sich nicht unnötig oft eine blutige Nase holen. Denn jede Absage tut doch auch weh.

Man macht sich immer wieder neue Hoffnung und wird dann doch wieder enttäuscht.

Anders sieht es allerdings aus, wenn die Stelle nicht nach einem Monat wieder auftaucht, sondern nach einem Jahr.

Jetzt kannst du davon ausgehen, dass du wieder eine reelle Chance hast. 

Denn inzwischen hat die Personalabteilung mit vielen, vielen anderen Kandidatinnen über viele, viele andere Jobs gesprochen – und das Gespräch mit dir ist längst in den Hintergrund gerutscht.

Dann spricht überhaupt nichts dagegen, es noch mal zu versuchen.

Was heißt das jetzt für dich unter'm Strich?

Es hat einfach nicht gepasst. Punkt. Nicht mehr, aber auch nicht weniger.

Und da die Firma dir das erst vor einem Monat mitgeteilt hat, würde ich diese Zombie-Stellenanzeige gepflegt ignorieren und Ausschau nach was anderem halten.

DER TIPP DER WOCHE

Ich würde dir an dieser Stelle furchtbar gerne einen Tipp geben, wie du echte von unechten Stellenanzeigen unterscheiden kannst. 

Kannst du aber leider nicht.

Du kannst von außen nicht sehen, ob die Firma ein mehr oder weniger gemeines Spiel treibt oder ob sie ernsthaft nach neuen Mitarbeitern sucht.

Was du aber auf jeden Fall tun kannst:

Dir immer wieder mal in Erinnerung zu rufen, dass nicht jede Absage mit dir zu tun hat. Es gibt so viele Faktoren, die da mitspielen. Bis hin zu den Fällen, wo du nie eine Chance hattest.

Erst wenn du dich auf Stellen bewirbst, von denen du überzeugt bist, dass du haargenau die Richtige bist und es trotzdem nie klappt, dann solltest du dich fragen, was das Problem sein könnte.

Und da helfe ich dir auch gerne weiter, das mit dir zusammen herauszufinden.

Ich sage danke an Katharina, und zu dir, am anderen Ende des Kopfhörers, sage ich:

Bis bald.

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