007: Entspannter ins Vorstellungsgespräch

Veröffentlicht am 12.09.2021

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Was ist noch schlimmer als ein Vorstellungsgespräch? 

Richtig, das Warten direkt davor.

Wie du dich selbst beruhigen und entspannter in das nächste Gespräch gehen kannst – das erfährst du heute im Podcast.

TITELMUSIK

Wie geht es dir, wenn du eine Einladung zu einem Vorstellungsgespräch bekommen hast? Vielleicht so wie den allermeisten?

Zuerst ist da so was wie „Hurra, keine Absage! Ich bin eingeladen!“ Schließlich ist es ja genau das, was du dir die ganze Zeit gewünscht hast.

Aber bei vielen kommt schon kurz danach ein ganz anderes Gefühl, nämlich „Oh nein, ich bin eingeladen!“

Wenn es dir auch so geht, dann bist du in allerbester Gesellschaft. Ich würde sogar so weit gehen und sagen, das ist die ganz normale Reaktion.

Im Grunde genommen ist das nichts anderes als Prüfungsangst oder Lampenfieber.

Ich werde oft gefragt, wie man diese Nervosität vor einem Gespräch in den Griff bekommen kann. Wie man es hinbekommt, nicht mehr so furchtbar aufgeregt zu sein.

Und da habe ich eine gute und eine noch bessere Nachricht für dich. Zuerst die Gute. Du musst diese Nervosität überhaupt nicht wegbekommen.

Es ist vollkommen normal, dass du in einem Vorstellungsgespräch nervös bist. Das Gegenteil wäre sogar schlimmer:

Wenn du in einem Gespräch vollkommen ruhig wirkst, dann wäre das eher verdächtig.

Interessiert er sich überhaupt für den Job?

Ist sie nur hier, weil sie sich bewerben musste? 

Hat der irgendwas genommen? Was Pflanzliches?

Diese Aufregung gehört dazu und ist sogar erwünscht.

Allerdings solltest du auch nicht so nervös sein, dass du selbst darunter leidest. Und nur von dem Fall spreche ich heute.

Denn Schauspieler wissen auch, wenn sie vor einem Auftritt überhaupt kein Lampenfieber mehr haben, dann wird der Auftritt auch meistens nicht so gut. 

Lampenfieber ist am Ende nichts anderes als ein Signal, dass du jetzt eine Herausforderung vor dir hast und dass du sie richtig gut bewältigen möchtest.

Deswegen gehen deine Psyche und dein Körper schon mal in eine Art Bereitschaftsmodus. Und dann sitzt du plötzlich da und hast das Gefühl, du weißt überhaupt nichts mehr. Wenn sie dich gleich nach deinem Namen fragen kann es sein, dass dir selbst der nicht mehr einfällt.

Dein Gehirn macht dicht, weil du aufgeregt bist.

Die noch bessere Nachricht ist jetzt aber: Das hört von allein wieder auf.

Wenn du dir diese Angst mal als Kurve vorstellst, dann steigt sie in den letzten Minuten vor dem Gespräch die ganze Zeit an.

Wenn das Gespräch dann aber angefangen hat und du die ersten paar Worte gesagt hast, dann geht sie auch von ganz allein immer weiter runter.

Die Angst ist also am stärksten, solange wir noch auf das Gespräch warten. Und genau in diesem Moment können wir unseren eigenen Kopf auch austricksen, damit er aus dieser Spirale wieder aussteigt.

Doch bevor ich dir jetzt verraten kann, was du ganz konkret tun kannst, müssen wir uns erst mal anschauen, was da genau in deinem Körper eigentlich passiert.

Wir stellen uns  jetzt also mal vor, du hast dich bei einem großen Unternehmen beworben, und die sitzen auch in so einem richtig großen Gebäude. Du hast dich unten am Empfang gemeldet und sollst dich noch hinsetzen, bist du abgeholt wirst.

Ich weiß nicht, wie es dir geht, aber ich spüre die Aufregung sogar schon, wenn ich mir das nur vorstelle.

Und ist das nicht total paradox? Du sitzt in einem gut geheizten Foyer in einem bequemen Sessel und könntest dich eigentlich entspannen. Und stattdessen schlägt dein Gehirn plötzlich Alarm.

Denn irgendwo tief in dir drin betrachtest du das anstehende Gespräch als mögliche Gefahr. So wie die Menschen vor langer Zeit mal Angst hatten vor irgendwelchen großen gefährlichen Tieren, die plötzlich auf sie zu gerannt kam – so hast du jetzt Angst vor dem Personaler, der gleich kommen wird.

Und auf Gefahren reagiert unser Organismus immer gleich: nämlich mit kämpfen oder abhauen. Und für beides wird dein Körper jetzt schon mal vorbereitet:

Als allererstes sendet das Gehirn ein Signal, dass es mehr Sauerstoff braucht. Also fängst du an schneller zu atmen, damit mehr Luft in deine Lungen kommt.

Das wirklich fiese daran ist, dass du nicht mitbekommst. Für jemanden, der neben dir sitzt und dich beobachtet, wäre das sehr offensichtlich. Der könnte sogar hören, dass du plötzlich ganz anders atmest. Man selbst kann das aber nicht wahrnehmen.

Es könnte sein, dass du schon richtig am Hecheln bist und immer noch sagst „Keine Sorge, ich atme immer noch ganz normal!“

So landet also immer mehr frischer Sauerstoff in deiner Lunge.

Von dort wird er ins Blut aufgenommen und im Körper verteilt. Und da dein Körper bemerkt, dass da plötzlich richtig viel sauerstoffreiches Blut ist, bekommt das Herz das Signal: schneller pumpen!

Denn für den Körper ist das nichts anderes als sehr wertvoller Treibstoff und den so langsam durch den Körper fließen zu lassen, das wäre ja Verschwendung. 

Also strengt sich das Herz mächtig an, dass das gute Zeugs auch schnell überall im Körper ankommt.

Deine Atmung hat sich also verändert und dein Herz fängt an, schneller  zu schlagen.

Jetzt kommt der Sauerstoff in den Muskeln an und versorgt sie mit frischer Energie.

Der Sinn dahinter ist klar, schließlich bereitest du dich gerade auf Kämpfen oder Weglaufen vor. Du sollst dem fiesen Tier, das dich gleich angreifen wird, kräftig eins auf die Nase hauen.

Das dumme ist nur, dass gar kein Tier da ist. Da ist überhaupt niemand, den du in nächster Zeit verhauen solltest. Und weglaufen steht erst mal auch nicht auf dem Plan. Du sitzt immer noch im Foyer und bewegst dich kein Stück.

Deine Muskeln stehen also bereit wie ein Sportwagen, der aufgetankt ist und den Motor hochdreht – und der nicht losfahren darf.

Genau so fühlen sich deine Muskeln jetzt an.

Und weil sie irgendwas tun müssen, um diese ganze überschüssige Energie loszuwerden, fangen sie an sich zu bewegen. Ganz, ganz viele kleine Bewegungen. Hin und her.

Und wie nennt man diese ganz, ganz kleinen Bewegungen? Genau, Zittern.

Deine Atmung hat sich verändert, dein Herz schlägt schneller und du fängst an zu zittern. Und das ist noch immer nicht genug:

Wenn die Muskeln sich bewegen, dann erzeugen sie Wärme. Und das spürst du jetzt auch ganz deutlich: Dabei merkst du vielleicht gar nicht, dass sich deine Temperatur erhöht, aber du merkst, dass der Körper etwas dagegen tut: Er fängt nämlich an zu schwitzen.

Deine Atmung hat sich verändert, dein Herz schlägt schneller, du zitterst und du schwitzt.

Und jetzt kommt das aller fieseste;

Während du das mit der Atmung gar nicht mitbekommen hast, merkst du den Rest umso mehr,

Du spürst, wie dein Herz klopfst. Du merkst, dass deine Hände nicht stillstehen. Und du bist dir bewusst, dass du schwitzt und – dass andere Leute das sehen können.

Und plötzlich ist da noch eine Gefahr.

Wenn jetzt dein Gesprächspartner kommt und dich in diesem Zustand sieht – zitternd und schwitzend – was soll der denn dann denken?

Und zack hat dein Gehirn eine Sorge mehr und gibt ein Signal aus: Achtung, Gefahr!

Und dadurch verändert sich deine Atmung und das Herz schlägt noch mal schneller und zitterst weiter und schwitzt immer mehr.

Das – ist ein Teufelskreis.

Das ist alles nicht gefährlich. Es ist sogar vollkommen natürlich.

Aber, und das ist jetzt vielleicht die beste Nachricht. Du kannst es stoppen!

Und zwar nicht über die Gedanken, wie die meisten glauben.

Denn diese ganzen Horrorszenarien, die spielen sich unbewusst in deinem Kopf ab und was unbewusst passiert, das können wir nicht bewusst steuern.

Du kennst das ja: Stell dir jetzt keinen rosa Elefanten vor!

Keine Chance. Du kannst also nichts dagegen tun, dass du beim Warten unbewusst anfangen wirst, über das Gespräch nachzudenken – und über alles, was dabei schiefgehen könnte.

Aber beim nächsten Schritt kannst du etwas tun. Nämlich bei der Atmung.

Ich habe das eben immer und immer wieder runtergebetet, damit du dir diese Kette von Ereignissen einprägen kannst,

Du atmest, dein Herz schlägt, du zitterst, du schwitzt.

Wenn du jetzt dafür sorgst, dass deine Atmung sich wieder normalisiert, dann sagst du gleichzeitig dafür, dass diese gesamte Kettenreaktion dahinter nicht passiert.

Wenn du jetzt deine Atmung in den Griff bekommst, dann wird dein Herz nicht schneller schlagen, weil nicht mehr Sauerstoff in der Lunge landet. Und wenn dein Herz nicht schneller schlägt, dann werden die Muskeln nicht über versorgt und fange nicht an zu zittern. Wenn du nicht zitterst, dann musst du auch nicht schwitzen.

Dieser ganze Teufelskreis hört auf, wenn du deine Atmung beruhigen kannst.

Soweit so gut. Aber intuitiv versuchen viele Menschen jetzt genau das Falsche. Sie versuchen nämlich, besonders ruhig und tief zu atmen.

Und wundern sich dann, dass sie nicht entspannter werden. Dabei ist das ganz logisch: wenn du lange und tiefe Atemzüge machst, dann – du ahnst es vielleicht schon – transportierst du sehr viel Sauerstoff in deine Lunge.

Das ist also dasselbe in Grün. Du atmest zwar nicht hektischer, aber das Ergebnis ist dasselbe.

Aber was hilft denn dann? Aufhören zu atmen kannst du ja nicht! Das entwickelt sich spätestens nach 2 Minuten zu einer echt schlechten Idee.

Der Trick liegt im Ausatmen – und zwar so lange wie du kannst.

Und keine Sorge, dein Körper wird automatisch dafür sorgen, dass du zwischendurch immer genug Luft holst. Das kann man gar nicht verhindern. Aber wie lange du ausatmest, das kannst du ganz bewusst steuern.

Wenn du also merkst, dass bei sich bei dir dieser Teufelskreis in Gang setzt – dann atmest du ganz, ganz tief aus. 

Und mit jedem ausatmen wirst du merken, wie die Spannung sich abbaut und Nervosität nachlässt.

Einfach so.

DER TIPP DER WOCHE

Ausatmen ist der Schlüssel, um die Angst vor einem Vorstellungsgespräch in den Griff zu bekommen.

Und da du sie gesagt selbst kein gutes Gefühl für deine Atmung haben wirst, gebe ich dir hier noch zwei Tipps:

Presse die Luft beim Ausatmen zwischen den Zehen und der Lippe durch. So, dass du ein zischendes Geräusch hören kannst.

Wenn du das Geräusch hörst, dann weißt du, dass du alles richtig machst. Und versuch dieses Geräusch so lange wie möglich zu erzeugen.

Oder du versuchst eine andere Variante, die ich gerne benutze:

Du stellst dir vor, du arbeitest in einer Bibliothek und möchtest die Leute anmahnen, ruhig zu sein. Dann klingt dein Ausatmen in etwa so.

Und wenn du das Zuhause ein paar mal übt hast, dann bekommst du es auch hin, ohne ein Geräusch zu machen. Dann kannst du das ganz unbemerkt, still und heimlich im Foyer machen – und dir und deine Nerven damit einen großen Gefallen tun.

Und ich atme jetzt auch noch einmal ganz tief aus und habe danach immer noch genug Luft um zu sagen:

Bis bald.

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