005: Soll ich bei der Firma anrufen?

Veröffentlicht am 29.08.2021

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Du hast eine Stellenanzeige gesehen die dir richtig gut gefällt. Und du spürst sofort: Diesen Job will ich unbedingt, das ist meine Stelle!

Also möchtest du dieses Mal auch wirklich alle Möglichkeiten nutzen, damit die Firma dich auch auf gar keinen Fall übersieht und gar nicht anders kann als dich einzuladen. 

Da gibt es jetzt natürlich mehrere Wege, wie -

(TELEFONKLINGELN)

Entschuldigung, ich habe das Handy heute nicht leise gestellt einen Augenblick. Da muss ich ganz kurz rangehen.

Ja? Der Tisch? Ja, der ist noch da. Ja, den können Sie abholen. Hausnummer 539, genau. Die Adresse, die in der Anzeige steht. Prima!

Sorry, ich habe hier im Büro ein bisschen umgebaut und hab einen Tisch auf eBay Kleinanzeigen stehen. Und wie es aussieht, möchte den sogar jemand haben!

Wo waren wir jetzt? Ach, ich spiel schnell die Musik, bis dahin habe ich den Faden wieder gefunden.

TITELMUSIK

Fangen wir also noch mal an du hast die Stellenanzeige gefunden, und da steht zum Glück auch jemand drin, der die Fragen zu diesem Job beantworten kann. Nennen wir sie mal Frau Bär.

Jetzt kommen viele Bewerber auf die Idee und denken sich: wenn ich die gute Frau Bea schon mal anrufe, dann hat sie schon mal meine Stimme gehört und wird sich später besser an mich erinnern.

Also schnell den ganzen Mut zus …

(TELEFONKLINGELN)

Ja? Ja, der Tisch ist noch da. Ja, Hausnummer 539. Steht ja auch in der Anzeige. Ja, bis später.

Wow, der Tisch scheint begehrter zu sein als ich dachte. Und ich hatte schon Sorge, dass ich den gar nicht loswerde.

Butze Frau Bär. Du nimmst also deinen ganzen Mut zusammen und rufst bei ihr an. Und wenn sie dann rangeht, dann frag …

(TELEFONKLINGELN)

Ja? Ja, noch da. Ja, 539. Wie in der Anzeige, genau. Jawoll!

Und wenn Frau Bertram rangeht, dann fragst du zum Beispiel nur, ob der Job wirklich noch offen ist oder ob die Stelle nur noch so im Internet ist.

Das interessiert dich nicht wir

(TELEFONKLINGELN)

Ja? Ja, ist er noch. Und 539, falls sie das fragen wollten. Ja, bis dann!

Oh Mann … Also. Du fragst, ob die Stelle wirklich noch offen ist, obwohl ich das gar nicht interessiert. Denn schließlich möchtest du nur, dass Frau Bär sich später an dich …

(TELEFONKLINGELN)

Ja! Ist er, und er steht in 539. Und wenn Sie die Anzeige gelesen hätten, hätten Sie mich gar nicht erst anrufen müssen. Ja, Sie mich auch.

Echt mal!

Und, soll ich dir was verraten? Genauso wie ich fühlt sich Frau Bär. Nämlich ziemlich verarscht. Und ja, sie wird sich an dich erinnern – aber das wird nicht besonders positiv für dich sein, ganz im Gegenteil.

Frau Bär hat eine ganze Menge andere Sachen zu tun:

Sie muss neue Stellenanzeigen formulieren, Bewerbung für die aktuellen Stellen sichten, Gesprächstermine mit guten Kandidaten ausmachen, Bewerbungsgespräche führen, sich immer wieder zwischendurch mit der Fachabteilung abstimmen, sich ganz nebenbei auch noch um so Dinge wie , Gehalt, Urlaub und Krankheit kümmern. Ein offenes Ohr für Mitarbeiter haben, die Probleme mit ihren Vorgesetzten haben. Maßnahmen für die Mitarbeiter Entwicklung planen. Kannst du Ansprechpartnerin für Fragen des Arbeitsrechts zur Verfügung stehen. Und intern gibt es auch noch Projekte, die nur die Personalabteilung an sich betreffen.

Und immer, wenn eine neue Stellenanzeige veröffentlicht wurde, klingelt das Telefon. Zink mal. Immer wieder. Und immer wieder sind Leute dran, immer wieder dieselben Fragen stellen. Weil sie immer wieder irgendwo im Internet gelesen haben, dass das ein total cleverer Trick wäre.

Und Frau Bär wird langsam aber sicher zum wütenden Grizzly.

Deswegen ist es absolut keine gute Idee, bei der Firma anzurufen, um sich schon mal ins Gespräch zu bringen.

Das geht komplett nach hinten los und mach den Leuten in der Personalabteilung nur das Leben schwer.

Aber heißt das jetzt auch, dass man nie und unter überhaupt keinen Umständen in der Firma anrufen sollte?

Das heißt es zum Glück nicht!

In diesem Beispiel ging es ja immer nur um Bewerberinnen, die in Wahrheit überhaupt kein Anliegen mit ihrem Anruf klären wollten. Die wollten das quasi als Eigenmarketing nutzen.

Aber eine Frage hast, dann darfst du gerne und jederzeit das Telefon in die Hand nehmen und Frau Bea und Ihre vielen lieben Kollegen und Kolleginnen kontaktieren.

Denn dann sieht die Sache ganz anders aus: dann hast du nämlich im besten Fall eine Frage, deren Antwort auch wirklich eine Konsequenz hat.

Was meine ich damit.

Wie viel Watt an, in der Anzeige steht, wir suchen Kandidaten, die mindestens zwei Jahre Erfahrungen im medizinischen Bereich haben.

Und du hast schon zwei Jahre oder mehr Erfahrung, aber in einem Bereich, der jetzt nicht streng nach Medizin ist, sondern vielleicht damit verwandt ist oder zumindest sehr eng damit verknüpft ist.

Was vielleicht in pharmazeutischen Bereich und hast Ärzte beraten.

Jetzt sitzt du zu Hause und fragst dich: Zählt das wohl als Erfahrung im medizinischen Bereich?

In so einem Fall darfst du super gerne anrufen. Denn die Antwort, die du erhalten wirst, hat eine Konsequenz. Sie wird darüber entscheiden, ob du dich überhaupt bewerben willst oder nicht.

Den nehmen wir mal an, du bekommst als Antwort: nein, tut mir leid, aber das würde uns nicht reichen. Dann hast du nicht nur dir selbst eine ganze Menge Arbeit gespart, sondern auch dem anderen Menschen im Unternehmen. Denn der muss später deine Unterlagen nie lesen nur, um dann festzustellen, dass du gar nicht die notwendige Erfahrung hast.

Beide Seiten haben dadurch also etwas gewonnen – und genau dafür sind manchmal auch die Kontaktpersonen in der Stellenanzeige angegeben.

Nicht, damit man sie 50 Mal am Tag aus ihrer aktuellen Aufgabe rausreißen kann, sondern um echte Fragen zu klären, die für beide Seiten eine echte Bedeutung haben.

DER TIPP DER WOCHE

Bevor du also das nächste Mal bei einem Unternehmen anrufst, um eine Frage zu einer Stellenanzeige zu stellen, beantwortet ihr selbst die folgende Frage:

Hat die Antwort auf das, was ich fragen will, eine Konsequenz?

Das gilt für alle Fragen außer: ist die Stelle wirklich noch offen? Denn davon darfst du einfach ausgehen. Solange die Stelle noch im Internet zu sehen ist, ist die Firma in der Regel auch daran interessiert, noch Bewerbung zu erhalten.

Es kostet nämlich Geld so eine Stelle im Internet zu inserieren. Und sobald es möglich ist, nimmt man sie auch wieder raus. Alles andere wäre Verschwendung.

Kommt natürlich auch mal vor, aber die Regel ist eben: wenn die Anzeige da ist, ist der Job auch noch da.

Und wenn wir an den Anforderungen oder an den Aufgaben irgendetwas unklar ist – und wenn von dieser Unklarheit abhängt, ob du dich überhaupt bewerben willst oder nicht – dann ruf gerne an.

Und wenn du dich für meinen Tisch interessierst … Der ist leider inzwischen verkauft.

Das war’s auch schon wieder für diese Woche – jedenfalls fast. Denn heute habe ich noch eine Bitte an dich. Genaugenommen sogar zwei.

Du hörst ja gerade meinen Podcast – woher ich das nur wieder weiß?

Und falls du ihn gerne hörst, dann machst du mir mit einer Sterne-Bewertung auf dem Portal deiner Wahl eine riesige Freude. Und es hilft anderen, auch über diesen Podcast zu stolpern. Ich freue mich also über eine Bewertung auf iTunes oder wo auch immer du deine Podcasts beziehst.

Sterne sind super hilfreich, Kommentare sind großartig.

Und außerdem freue ich mich über Fragen und Themen Vorschläge. Wenn du ein Thema hast, über das du gerne mal was in diesem Podcast hören möchtest, dann lass es mich wissen. Geh einfach auf meine Webseite und nutze das Kontaktformular – oder schick mir über Instagram und Co. eine Sprachnachricht mit deiner Frage.

Ich freu mich von dir zu hören oder zu lesen und sage wie immer -

Bis bald.

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