004: Heute gibt's Zeugnisse

Veröffentlicht am 22.08.2021

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Heute gibt es Zeugnisse!


JUBEL


Nur leider gibt es ab morgen keine Ferien … 


BUUUH


Dafür aber eine Menge gute Tipps. Vor allem, wenn du aktuell angestellt bist und von dieser Firma noch kein Zeugnis hast. Dann sprechen wir uns gleich nach der Musik wieder.

TITELMUSIK

Zeugnisse sind schon immer … na ja, speziell gewesen. Auf der einen Seite hat man sich drauf gefreut, weil man sie normalerweise am letzten Schultag bekommen hat – und das bedeutet im besten Fall: sechs Wochen Sommerferien!

Aber Zeugnisse bedeutet eben auch immer Benotung und Bewertung. Und darauf hat sich mit Sicherheit nicht jeder jedes Mal gefreut.

Und auch heute spielen Zeugnisse ja noch eine große Rolle – nämlich immer dann, wenn die nächste Bewerbung ansteht.

Ich werde dir heute erklären, warum du bei nächstbester Gelegenheit unbedingt um ein Zwischenzeugnis bitten solltest. Und wie du das am besten anstellst.

Aber der Reihe nach:

Warum sind Arbeitszeugnisse eigentlich so wichtig? Müssen Sie nicht sowieso immer „gut“ sein? Was haben die dann noch für einen Wert, wenn da sowieso nicht die Wahrheit drin steht?

Und da kann ich schon mal den ersten großen Irrtum aus der Welt schaffen: Zeugnisse müssen *nicht* immer gut sein. Sie müssen wohlwollend und wahrheitsgetreu sein.

Und wer zwischen den Zeilen lesen kann, der entdeckt auch in einem Zeugnis, dass eigentlich gut klingt, was die Firma eigentlich sagen wollte. 

Es kann also sein, dass in einem Zeugnis, das für dich total nett und positiv klingt, drinsteht, dass du ein böser, böser Mensch bist.

Aber wie gesagt, um diese Zeugnissprache soll es heute gar nicht gehen. Für heute reicht das Wissen, das ein geübter Personaler aus einem Zeugnis sehr wohl herauslesen kann, was da eigentlich drin stehen sollte.

Und das ist eine wertvolle Information.

Versetz dich mal in die Rolle der Firma – die haben es auch nicht leicht: Die sollen ja Ende entscheiden, ob sie mit dir einen Vertrag eingehen. Und alles, was sie als Grundlage dafür haben, sind ein Lebenslauf, ein Anschreiben und zwei, vielleicht drei Gespräche.

Kann man in dieser Zeit einen Menschen wirklich kennenlernen? Ich glaube nicht!

Denn natürlich gibt es Bewerber, die können sich für eine Weile gut verstellen. Manche können das sogar noch bis zum Ende der Probezeit durchziehen und lassen erst dann ihre Maske fallen. Deswegen darf man sich nicht so sehr auf den ersten Eindruck verlassen. 

Und genau da kommen die Arbeitszeugnisse ins Spiel: Denn das hat jemand geschrieben, der schon über einen langen Zeitraum mit dir zusammengearbeitet hat. Vielleicht über Jahre. Deswegen ist dessen Meinung wichtig. Extrem wichtig sogar.

Wenn jemand 3,4, 5 Jahre mit dir zusammengearbeitet hat, dann hat er vermutlich alle Vorzüge, aber auch alle Macken an dir kennengelernt. Das hilft der Firma also ganz konkret, eine gute Entscheidung zu treffen.

Aber hey, wirst du jetzt rufen, ich war mal in einer Firma, die haben mir ein gemeines Zeugnis ausgestellt, weil der Chef mich nicht leiden konnte.

Und da hast du recht, das passiert. Zeugnisse werden gerne als. Druckmittel oder zur Rache benutzt. Deswegen ist es so wichtig, möglichst viele Zeugnisse zu haben.

Wenn die Firma deine Zeugnisse durchgeht und irgendwo steht drin –sagen wir mal –du drückst dich vor der Arbeit, wo immer es nur geht. Du hast noch nie einen Handschlag mehr gemacht, als unbedingt nötig.

Dann heißt das erst mal noch nichts. Dann denken die nämlich exakt dasselbe: Oha, bei der Firma hat’s offenbar Ärger gegeben. 

Was macht man dann also? Man geht die anderen Zeugnisse durch und guckt, ob andere Firmen dasselbe kritisiert haben. Und erst, wenn ich das in zwei oder besser noch drei Zeugnissen finde, dann werde ich hellhörig. Und werde im Gespräch mal genauer nachforschen, wie es dazu gekommen ist. 

Mehr Zeugnisse zu haben ist also nicht einfach nur eine lustige, Sammelaufgabe, sondern hilft dir dabei der Firma ein möglichst ausgeglichenes Bild von dir zu zeigen.

Doch als Bewerber behandelt man Zeugnisse oft so wie den Zahnarzt oder eine Versicherung: Man denkt meistens erst dran, wenn es schon zu spät ist. Klar, wenn ich Zahnschmerzen habe, geh ich zum Zahnarzt. Und der hilft mir dann auch.

Aber wenn mein Haus brennt, und ich möchte dann schnell eine Versicherung abschließen –dann wird das nichts mehr. Und genau so ist das mit den Zeugnissen: 

Solange man in der Firma *und* einigermaßen glücklich ist, da vergisst man die Sache mit den Zeugnissen gerne. Aber dann kommt die nächste Fusion, die Umstrukturierung oder Ärger mit dem Chef –und irgendwann ist dann der Wunsch da: Ich will hier weg. Ich schreib jetzt Bewerbungen.

Und dann fällt es einem plötzlich wieder ein: 

Ach Mist, ich habe für die letzten 3 Jahre überhaupt kein Zeugnis. 

Wenn du *dann* zum Chef gehst und sagst „Schönes Wetter heute, oder? Ach, und ich hätte gerne ein Zwischenzeugnis“ –dann kannst du dir genauso gut ein T-Shirt bedrucken, auf dem steht: Ich werde kündigen!

Beides ist keine gute Idee.

Deswegen ist es gut, sich regelmäßig ein Zeugnis geben zu lassen, obwohl eigentlich gar kein Grund besteht. 

Dann wird es auf der einen Seite nämlich normal. So nach dem Motto „Der hat schon mal vor zwei Jahren nach einem Zeugnis gefragt, der ist aber immer noch da“. Und auf der anderen Seite vermutet wahrscheinlich auch keiner, dass du gehen willst, weil es im Moment auch gar keinen Anlass dazu gibt.

Falls du also aktuell angestellt bist und noch kein Zeugnis von deiner aktuellen Firma hast, dann solltest du das so bald wie möglich nachholen.

Du wirst es mir später danken. (Oh Gott, das sagt man zu Kindern auch immer)

Also: Schnell ein Zeugnis holen. 

Nur leider geht das nicht einfach so. Denn Anspruch auf ein Zwischenzeugnis hast du nur in bestimmten Situationen. Nämlich immer dann, wenn sich an deiner beruflichen Situation etwas Entscheidendes verändert.

Das bedeutet zum Beispiel:

Du wurdest befördert oder in einen anderen Bereich versetzt. 

Oder du bist immer noch im selben Bereich, hast aber ganz neue Aufgaben dazu bekommen.

Oder die Themen, für die du zuständig bist, haben sich verändert.

Immer wenn sich dein Titel, die Abteilung oder deine Aufgaben verändern, hast du Anspruch auf ein Zwischenzeugnis.

Das Gleiche gilt aber auch, wenn du eine neue Vorgesetzte bekommst. Oder wenn ganz oben an der spitze gewechselt wird, wenn also das Unternehmen verkauft wird.

Auch dann hast du Anspruch auf ein Zwischenzeugnis.

Und auch wenn es bei dir selbst wichtige Veränderungen gibt, gilt dieselbe Regel:

Du gehst in Elternzeit und wirst längere Zeit nicht im Unternehmen sein? Du hast eine berufsbegleitende Fortbildung erfolgreich absolviert?

Auch dann hast du Anspruch auf ein Zwischenzeugnis.

DER TIPP DER WOCHE

Genau das ist auch der Tipp für diese Woche: immer dann, wenn sich an der Art oder den Umständen deines Jobs etwas Maßgebliches ändert, hast du Anspruch auf ein Zwischenzeugnis.

Das sollte dir in Fleisch und Blut übergehen. Deine Chefin verlässt das Unternehmen Zwischenzeugnis.

Du machst jetzt auch die Vertretung für den Nachbarbereich zwischen Zeugnis

In der Kantine gibt es ab sofort keine Currywurst mehr okay, das ist kein Grund für ein Zwischenzeugnis

Wirf also mal einen Blick in deine Bewerbungsmappe und achte vor allem darauf, von wann das letzte Zeugnis ist. Und wenn da aus den letzten Jahren noch keins dabei ist – dann halte Augen und Ohren offen.

Die nächste Gelegenheit kommt bestimmt.

Genauso wie die nächste Ausgabe.

Bis bald.

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