003: Duzen in der Bewerbung

Veröffentlicht am 15.08.2021

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Ach Mensch, da haben wir ja noch gar nicht drüber gesprochen. Darf ich dich jetzt eigentlich siezen oder soll ich Sie duzen?

Da muss ich mal kurz drüber nachdenken. 

TITELMUSIK

Das Duzen in der Bewerbung ist ein echtes Dauerthema. Eine gefühlte Ewigkeit gab es nur das Sie in der Bewerbung.

Da wurde in Stellenanzeigen selbstverständlich gesiezt und genauso selbstverständlich war es, dass man auch die Bewerbung in der Sie Form verfasst.

Doch Zeiten ändern sich und auch die Stellenanzeigen haben sich geändert.

Ich habe jetzt gerade mal spontan gegoogelt und sofort welche gefunden:

„Du führst Kundenbestellungen aus und wirst somit ein fundamentaler Teil unseres Netzwerks.“

„Du arbeitest gerne eigenverantwortlich und hast eine schnelle Auffassungsgabe.“

„Wir freuen uns auf Deine Bewerbung!“

Für viele Bewerber ist das immer noch eine schwierige Situation. Was soll ich jetzt tun? Was ist die angemessene und richtige Antwort?

Soll ich zurückduzen? 

Muss ich zurückduzen? 

Darf ich vielleicht gar nicht mehr siezen?

Fragen über Fragen, auf die wir heute eine Antwort finden werden.

Und dazu muss ich vorher einen kleinen Schlenker machen, denn die Frage, ob du oder Sie, die stellt sich nicht nur in der Bewerbung.

Die stellt sich ja überall in der Kommunikation. Ich selbst bin zum Beispiel ein riesiger Fan des Siezens. 

Ich finde, es schafft erst mal eine professionelle Distanz und bietet einem vor allem die Möglichkeit, später als einen besonderen Bonus, jemandem, das du anbieten zu können.

Damit kann ich auch im professionellen Kontext mein Vertrauen oder meine Sympathie ausdrücken.

Umgekehrt sieht’s da eher schwierig aus. Wenn ich mit jemandem schon vom ersten Kontakt an per du bin und ich will ihm später das Sie anbieten …

Du merkst schon, wie seltsam sich das anfühlt. Das ist im Grunde eine Kriegserklärung, und das will ja keiner.

Auf meiner Homepage und im Blog sieze ich deswegen zum Beispiel auch.

Auch bei Menschen, mit denen ich das erste Mal zu tun habe, bevorzuge ich immer noch, dass Sie. Aber jetzt ist dir vielleicht schon etwas aufgefallen, denn hier im Podcast duze ich.

Und das widerspricht eigentlich allem, was ich bisher gesagt habe, oder?

Aber letztlich habe ich mich hier ganz nach Gefühl entschieden. Denn ich habe mir gedacht, wenn du diesen Podcast anhörst, dann sind wir ja quasi unter uns.

Und ich darf dich vielleicht bei Dingen begleiten, die wir normalerweise nie zusammen machen würden. Ich selbst höre Podcasts zum Beispiel beim Sport, beim Kochen oder im Bad. Und wenn dabei jetzt jemand neben mir stehen würde der mich siezt – das würde ich dann irgendwie unpassend finden.

Und da wir jetzt unter uns sind und ich in deinem Ohr, hat es sich für mich gut angefühlt, dich zu duzen. Und ich hoffe, das ist für dich auch okay. Ehrlich gesagt hast du ja gar keine andere Wahl,

Natürlich, du kannst den Podcast auch einfach abbestellen, und nie wieder reinhören. Das wäre allerdings, ehrlich gesagt, sehr schade. Dann sag mir lieber Bescheid, und ich schicke dir eine spezielle Version, in der ich alle mit dus einem Zensur-Piepton übermale, okay?

Aber zurück zur Bewerbung.

Da fühlt man sich doch als Bewerberin genauso wie ich, als ich mir Gedanken über den Podcast gemacht habe.

Was ist jetzt richtig, was ist angemessen? Und vor allem auch: Womit fühle ich mich selbst wohl? Wofür will ich stehen?

Ein immer und überall gültiges richtig und falsch gibt's da sowieso nicht. Deswegen habe ich für meine Kunden drei Regeln aufgestellt, mit denen auch du zu deiner ganz persönlichen Entscheidung finden kannst.

Regel Nr 1: Erstelle dein Anschreiben so, wie auch die Stellenanzeige verfasst ist.

Und das bezieht sich nicht nur darauf ob du oder Sie! Ist die Anzeige zum Beispiel eher locker formuliert, dann darfst du natürlich auch eher umgangssprachlich schreiben.

Ist die Stellenanzeige auf Englisch, dann solltest du auch eine englische Bewerbung schicken. 

Und genauso sieht es mit dem du aus. Du machst auf jeden Fall nichts verkehrt, wenn du auf ein du auch immer mit einem du antwortest.

Und aus der Anrede „Sehr geehrte Frau Soundso“ wird dann eben „Liebe Frau so und so“ oder wenn kein Name angegeben ist, „Liebes, Rocket Runner Team“.

Also, wenn du dich damit wohlfühlst, ist eine Stellenanzeige im du immer ein Freibrief, dass du selbst auch zurückduzen darfst. Aber es kommen ja noch zwei Regeln. Und die zweite lautet:

Bleibe immer authentisch.

Vielleicht tickst du ein wenig so wie ich und fühlst dich gar nicht wohl bei dem Gedanken, einen fremden Menschen, den du noch nie gesehen oder gesprochen hast, einfach zu duzen. Musst du in dem Fall dann auch im Du zurückschreiben? 

Überhaupt nicht!

Selbstverständlich darfst du auch im Sie antworten. Und das habe ich meinen Kunden schon oft empfohlen, die haben das schon oft umgesetzt und das hat schon oft hervorragend funktioniert.

Lustigerweise teilt es sich dann so etwa 50/50 auf. Etwa die Hälfte bekommt eine Antwort, in der sie wie schon in der Stellenanzeige trotzdem weiter geduzt wird,

Und die andere Hälfte bekommt tatsächlich auch von diesen Firmen eine Antwort im Sie.

Und man muss sich auch fragen: Wenn das so eine Firma ist, in der das du wirklich zur Firmenkultur gehört und die sich betont, locker und vielleicht auch jung geben wollen, passe ich dann überhaupt da rein, wenn ich selbst gar nicht so ticke?

Das jetzt bitte nicht falsch verstehen: Das hat nämlich überhaupt nichts mit dem Alter zu tun! Ob du in so eine Firma hineinpasst, ist eine Frage des Typs und deiner Haltung nicht des Jahres, in dem du geboren bist.

Nehmen wir zum Beispiel mal Philipp Amthor und Nina Hagen. Welcher von beiden würde dich wohl eher duzen. In welcher von beiden würde sich in einem Unternehmen wohlfühlen, in denen sich alle perdu begrüßen? Ganz klar die ältere.

Deswegen schreibe auch so, wie es sich für dich gut anfühlt.

Das ist sowieso einer meiner Lieblingstipps: Je mehr ich mich in der Bewerbung so zeige, wie ich wirklich bin, desto früher, desto besser wird es am Ende passen.

Denn dann können sowohl die Firma als auch ich herausfinden, ob wir wirklich zusammenpassen. Und das erhöht langfristig die Chance, dass ich irgendwann auch da lande, wo ich wirklich sein möchte.

Und die dritte und letzte Regel lautet: Der Inhalt ist immer wichtiger als die Form.

Wenn du die letzte Folge gehört hast, dann weißt du, dass in den meisten Anschreiben sowieso nichts Sinnvolles drinsteht.

Da spielt es dann ehrlich gesagt auch keine Rolle, ob der ganze Text in du oder sie Form formuliert wurde. Floskel bleibt Floskel. Ob geduzt oder gesiezt wird.

„Hiermit bewerbe ich mich bei dir“ ist genauso unsinnig wie „hiermit bewerbe ich mich bei Ihnen“.

Wenn du aber eine wirklich gute, persönliche Bewerbung geschrieben hast, dann spielt es wiederum fast gar keine Rolle, welche Anredeform du genutzt has

Eine gute Geschichte, ein Anschreiben, das in Erinnerung bleibt, und die Firma neugierig macht – das funktioniert im du ganz genauso wie im Sie.

Deswegen führt uns auch das heutige Thema immer wieder zurück zu dem eigentlichen Kern:

Eine richtig gute Bewerbung entsteht durch den Inhalt, nicht durch die Form.

DER TIPP DER WOCHE

Und der ist diese Woche mal ganz unspektakulär, denn ich möchte die drei Regeln einfach noch mal wiederholen. 

Regel Nummer eins: Schreibe so, wie auch die Stellenanzeige verfasst war. 

Regel Nummer zwei: Bleibe authentisch. 

Regel Nummer drei. Der Inhalt ist wichtiger als die Form.

Und als Beispiel kann hoffentlich der Podcast selbst herhalten. Vielleicht war es dir vorher noch gar nicht aufgefallen, dass ich sonst überall sieze und hier plötzlich duze.

Dann habe ich mein Ziel erreicht, weil du mehr Wert auf das gelegt hast, was ich hier erzähle, als wie ich es erzähle.

Wenn du jetzt diese drei Regeln für dich durchgehst – wie lautet dann deine Entscheidung? Schreib es mir gerne!

Ich bin jetzt schon gespannt, ob du mich in deiner Nachricht duzen oder siezen wirst.

Bis bald.

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