Nützliche Helfer für die Rechtschreibprüfung im Test

22. März 2021
Die meisten von uns schreiben jeden Tag: E-Mails, Angebote, Berichte, Pitches, Konzepte oder, wie in meinem Fall: Bewerbungen. Und eins haben alle diese Dokumente gemeinsam: Sie sollten möglichst fehlerfrei sein, um nicht von ihrer eigentlichen Botschaft abzulenken.

Sie kennen das alte Sprichwort „Nur wer nichts macht, macht nichts falsch“. Genauso verhält es sich beim Schreiben: Wer viel schreibt, wird auch Fehler machen.

(Was meinen Sie, wie oft ich diesen Artikel Korrektur gelesen habe. Und trotzdem wird das Schicksal mit Sicherheit dafür sorgen, dass noch Fehler zu finden sind. Das Schicksal hat einen miesen Sinn für Humor.)

Ich habe mir deswegen Programme angesehen, die dabei helfen sollen, möglichst fehlerfreie Ergebnisse abzuliefern. Wie sich diese vier Systeme in der Praxis bewähren, das erfahren Sie in diesem Artikel.

Es handelt sich dabei einmal um die Rechtschreibkontrolle in Word, den Duden Mentor, den Papyrus Autor und das LanguageTool.

Wichtiger Hinweis: Alle Lösungen, die ich hier vorstelle, habe ich selbst gekauft. Ich stehe mit keinem der Hersteller im Zusammenhang, werde auch in keiner Weise unterstützt oder gar bezahlt. Es handelt sich hier um meine persönliche Meinung, basierend auf dem praktischen Einsatz in meinem beruflichen Alltag.

Das Testobjekt

Als Beispieltext habe ich ein Anschreiben benutzt, das ich gerade für eine Kundin erstellt hatte. Es handelt sich also um einen Brief in deutscher Sprache. Er enthält keinerlei besondere Fachwörter und sollte damit leicht zu überprüfen sein.

Den Text habe ich vorher selbst nach bestem Wissen und Gewissen Korrektur gelesen. Auf diese Version habe ich dann die drei unterschiedlichen Programme losgelassen.

Kandidat 1: Word

Das Einzige, was der Rechtschreibprüfung von Word auffällt, ist der Name meiner Kundin. Den kann er nicht kennen, das ist also erwartbar.

Ansonsten pflichtet Word mir bei, dass mein Text fehlerfrei ist. Was mich allerdings überraschen würde. Habe ich hier aus Versehen ein Dokument erwischt, in dem ich nichts übersehen habe?

Kandidat 2: Duden Mentor

Der Duden Mentor ist keine für sich stehende Anwendung, sondern ein sogenanntes Plug-in. Es nistet sich in andere Programme ein und lässt sich dort als Funktion aufrufen. Es kann auf Wunsch zum Beispiel Texte korrigieren, die ich in einem Browser eingebe, z. B. wenn ich eine E-Mail verfasse.

Glücklicherweise lässt sich das Programm auch in Word integrieren, und hier starte ich den Testlauf:

Der Duden Mentor findet gleich acht Probleme. Eines davon ist wieder der Name meiner Kundin, damit bleiben aber immerhin noch sieben Punkte, die das Programm gerne mit mir durchgehen möchte.

Doch gleich am Anfang lauert die erste Enttäuschung: Der Duden Mentor weist mich darauf hin, dass man am Anfang eines Satzes immer großschreibt. Das Problem ist nur: Es handelt sich um den ersten Satz nach der Anrede, und der ist eben klein. Ich denke, dass dieser Fall häufig vorkommt. Daher wundert es mich, dass das als Fehler erkannt wird.

Der nächste Punkt ist dann ein echter Treffer: Ich habe vergessen, ein Komma zu setzen, was das Programm aber gerne für mich erledigt.

Der dritte Fehler ist dann eine kuriose Kollision zwischen Duden und Word: Es gibt in Word die Möglichkeit, Vorschläge zur Silbentrennung in einzelne Worte einzubauen. Die sorgen dafür, dass das Wort nur an den von mir bestimmten Stellen umgebrochen wird. Diese Markierungen sind nach außen unsichtbar, doch der Duden Mentor scheint sie zu sehen und deutet sie als Schreibfehler. Das ist ärgerlich, denn diese weichen Umbrüche benutze ich oft.

Beim nächsten Fehler hat der Duden Mentor wieder recht. Es geht um das Thema Groß- und Kleinschreibung nach einem Doppelpunkt. Und obwohl ich mir bei meinem Satz sicher war, habe ich mich tatsächlich geirrt.

Dabei war es hilfreich, dass der Duden den Fehler nicht nur markiert, sondern eine ausführliche Erklärung dazu liefert. So kann ich schnell nachvollziehen, dass meine Entscheidung in diesem Fall die falsche war.

Der fünfte Punkt ist eine Wortdopplung, die dem Duden Mentor aufgefallen ist. Die Software schlägt mir gleich passende Synonyme vor. Diese kann ich durch einen Klick auswählen und in den Text übernehmen. Das finde ich enorm praktisch.

Außerdem entdeckt das Programm einen Fehler, der durch Copy & Paste entstanden ist. Kurioserweise ist Word das nicht aufgefallen, obwohl es offensichtlich falsch ist. Okay, mir ist es auch nicht aufgefallen, aber ich habe eine Entschuldigung: Ich bin ein Mensch.

Auch meinen Hang zu Füllwörtern hat der Duden inzwischen bemerkt und schlägt vor, eines davon wegzulassen. Und siehe da: Der Satz gefällt mir tatsächlich besser ohne.

Das Ergebnis: Fünf echte Probleme entdeckt und gelöst, dreimal Fehlalarm. Der Text ist deutlich besser als nach der Prüfung durch Word.

Kandidat 3: Papyrus Autor

Im Gegensatz zu dem Plug-in handelt es sich hier um ein separates Software–Produkt, das ich nun öffne und den Ausgangstext dort hineinkopiere. Eine Einbindung in Word ist nicht möglich.

Auch dieses Programm stolpert als Erstes wieder über den Namen der Kundin. Das lässt sich natürlich nicht verhindern.

Ebenso findet Papyrus Autor das Problem mit der Groß- und Kleinschreibung nach dem Doppelpunkt, allerdings ist die Erklärung hier sehr kompakt. Ganze vier Worte spuckt das System aus, um mir zu verdeutlichen, warum das ein Fehler sein könnte. Ich müsste selbst recherchieren, welche Regel hier greift. Da hat der Duden eindeutig die Nase vorn.

Den durch Copy & Paste verursachten Fehler erkennt das Programm ebenfalls. Doch dann schlägt es mir ein Komma an einer Stelle vor, an der definitiv keines hingehört. Auch die Erklärung, warum das Programm dieser Meinung ist, überzeugt mich nicht: „Komma fehlt?“

Weitere Rechtschreibfehler findet es nicht, die Stilanalyse wird nun separat gestartet. Sie begrüßt mich gleich mit 25 entdeckten Problemen. 25!

Hier zeigt sich die Stärke und Schwäche von Papyrus Autor: Das Tool ist penibel. Es ist auch nicht für meinen Anwendungsfall gedacht. Es soll Autoren unterstützen, die ganze Bücher schreiben. Auf meinen Brief reagiert es daher mit eher ungewöhnlichen Vorschlägen.

Eine Auswahl:

In der Anrede sollte ich bei „Sehr geehrte Frau“ das „sehr“ streichen, da es ein unnötiges Füllwort sei. Das würde meine Anrede aber überraschend aggressiv klingen lassen.

Danach kritisiert es schon in den ersten zwei Zeilen vier von mir verwendete Worte, was ich auf Anhieb übertrieben finde. Spaßeshalber lass ich mich darauf ein und baue den Satz so um, dass die Markierungen verschwinden. Und siehe da: Es klingt tatsächlich besser!

Die Wortdopplung wird erkannt, doch die Auswahl eines Synonyms ist nicht so einfach wie beim Duden – dafür aber detaillierter. Statt nur fünf Alternativen werden mir ganze 91 Vorschläge angeboten, nach Bedeutungen gruppiert. Dafür nehme ich gerne einen zusätzlichen Klick in Kauf.

Oh, im vorletzten Absatz ist überhaupt nichts markiert! Nach so viel Kritik fühlt sich das gut an – ein wenig so, als wäre ich wieder in der Schule und der Lehrer hätte mich gelobt. Wenn das Programm mir jetzt noch einen Stempel ins Heft machen würde, wäre ich überglücklich.

Insgesamt findet Papyrus Autor deutlich mehr stilistische Probleme, lässt mich mehr nachdenken und arbeiten – doch am Ende entsteht definitiv ein besserer Text.

Kandidat 4: LanguageTool

Auf diese Lösung wurde ich von Joachim Rumohr hingewiesen. Er klang sehr begeistert, also habe ich mir auch dieses Programm angesehen.

LanguageTool kann beides: Unter macOS gibt es eine eigenständige Anwendung zum Download, genauso arbeitet das Programm aber auch als Plug-in in allen gängigen Browsern und Office-Paketen. Also nicht nur in Word, sondern auch in Google Docs oder OpenOffice. Ein klarer Pluspunkt!

Es kennt zwei Arten der Prüfung: Normal und akribisch. Ich entscheide mich im Test natürlich für den schärferen Modus, – der Fluch der Akribik!

Die üblichen Verdächtigen erkennt es reibungslos:

Bei Namen bietet mir LanguageTool allerdings gleich an, sie in mein persönliches Wörterbuch aufzunehmen, damit sie in Zukunft nicht wieder als Fehler markiert werden. Top!

Ein weiteres Highlight: Statt mich nacheinander durch die offenen Punkte zu führen, bekomme ich eine komplette Liste aller Fehler angezeigt, farblich nach Fehlerarten gekennzeichnet. Das verschafft mir einen schnelleren Überblick als bei allen anderen Kandidaten.

Die Erläuterungen zu den gefundenen Fehlern sind ausführlich und hilfreich. Um zu entscheiden, ob ich eine Änderung annehmen möchte, brauche ich keine weitere Recherche.

Und zu guter Letzt findet LanguageTool noch einige andere stilistische Mängel, die alle anderen Tools bisher übersehen haben. Auch für mich waren Punkte dabei, über die ich mir noch nie Gedanken gemacht hatte. Ein echter Gewinn!

So weit, so gut. Bis hierhin bin ich geradezu verliebt in dieses Programm. Es hätte der Beginn einer großartigen Romanze sein können – doch eine Sache vermisse ich schmerzlich: die Synonyme.

LanguageTool findet zwar Fehler, Patzer, Inkorrektheiten, Schnitzer, Missgriffe und auch Mängel. Doch ohne meine heiß geliebten Synonyme sind das in Zukunft nur noch Fehler, Fehler, Fehler,  Fehler und Fehler.

Doch ganz ehrlich: Damit kann ich leben. Denn auf Wortdopplungen werde ich nach wie vor hingewiesen, und Google hat mittlerweile eine eingebaute Synonym-Suche.

Mein Fazit

Die Rechtschreibprüfung von Word hat mich negativ überrascht. Selbst klare Rechtschreibfehler wurden übersehen. Wer sich im Beruf darauf verlassen möchte, dass ihm keine allzu offensichtlichen Fehler durchrutschen, sollte sich nicht allein auf Word verlassen.

Duden Mentor erkennt deutlich mehr, und dank der Integration in Word ist die Nutzung ein Kinderspiel. Der Arbeitsfluss wird nicht unterbrochen, man bleibt immer im selben Programm. Das hat seinen Preis: Die Software gibt es nur als Abo für 9,95 € im Monat. Wer Gelegenheitsschreiber ist, für den wird sich die Investition nicht lohnen.

Beides gilt in stärkerem Maße für Papyrus Autor. In puncto Rechtschreibung und Stil lässt es den Duden Mentor weit hinter sich. Außerdem mag ich Software, die man mit einer Einmalzahlung kaufen kann, 199 € sind es in diesem Fall. Ein Preis, der sich bei längerem Einsatz rentiert.

Als letzter Starter hat LanguageTool dann aber das Feld von hinten aufgerollt:

Eine moderne, klare Oberfläche, eine hervorragende Leistung was Rechtschreibung und Grammatik angeht und dazu noch die nahtlose Einbindung in so ziemlich jedes Tool, in dem ich überhaupt Texte verfasse. Das hat mich auf ganzer Linie überzeugt.

Auch der Preis ist mehr als konkurrenzfähig, obwohl es ein Abo-Modell ist. 5,95 € im Monat, wenn man sich auf ein Jahr festgelegt. Oder anders ausgedrückt: Für ein Jahr Papyrus Autor bekomme ich knapp drei Jahre LanguageTool.

Für mich der klare Sieger und eine Empfehlung für alle, die beruflich schreiben.


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