Das AGG - Fluch oder Segen für Bewerber?

Veröffentlicht am 26. August 2014

Genau das hat sich auch der Gesetzgeber gedacht. Und damit so was auch wirklich nicht mehr vorkommt, wurde 2006 das AGG verabschiedet: Das Allgemeine Gleichbehandlungsgesetz.

Seitdem darf kein Bewerber mehr benachteiligt werden aufgrund von

  • Rasse oder ethnischer Herkunft
  • Geschlecht
  • Religion und Weltanschauung
  • Behinderung
  • Alter oder
  • sexueller Identität

Einige Auswirkungen dieses Gesetzes sind offensichtlich: In jeder Stellenanzeige wird sowohl die männliche als auch die weibliche Berufsbezeichnung angegeben. "Wir suchen Sekretär/innen“ heißt es da im sperrigen aber juristisch korrekten Deutsch. Denn schon, wenn ein Arbeitgeber nur eine dieser beiden Bezeichnungen in seiner Ausschreibung angibt, läuft er Gefahr wegen Diskriminierung belangt zu werden. Wird nur nach einer “Sekretärin” gesucht können männliche Bewerber nach Erhalt der Absage sofort zum Anwalt gehen.

Wer als Bewerber nachweisen kann, dass er nur aufgrund eines AGG-Verstoßes einen Job nicht bekommen hat, erhält sogar  Schadensersatz: meist 2-3 Monatsgehälter.

Stellenanzeige

Aber längst nicht alle Folgen dieses Gesetzes sind so eindeutig und so leicht zu erkennen. Stellen Sie sich zum Beispiel vor, eine Firma sucht nach einem "belastbaren" Mitarbeiter. Könnte das schon ein Verstoß gegen das AGG sein? Schließlich sind ältere Menschen nicht mehr so belastbar wie jüngere. In der Tat ist die Frage hier auch nicht mehr so eindeutig zu beantworten, aber in der Regel ist auch eine solche Formulierung nicht zulässig.

Ein versierter Arbeitgeber wird sich also hüten, solche Formulierungen zu verwenden. Doch der Teufel steckt oft im Detail: In der fiktiven Stellenanzeige im Bild habe ich vier Verstöße gegen das AGG eingebaut. Können Sie alle finden?


Für Bewerber bedeutet das Gesetz, dass sie in ihren Bewerbungsunterlagen alle Angaben weglassen dürfen, die mit den AGG-Kriterien zu tun haben, also z.B.:

  • Ihren Vornamen (lässt Rückschlüsse auf das Geschlecht zu)
  • Ihren Geburtstag (Alter)
  • ein Foto (Alter, Geschlecht)

Das würde ein wirklich objektives und faires Auswahlverfahren erleichtern. Das AGG wäre also ein echter Segen für Bewerber - doch die Realität sieht ganz anders aus. Warum das AGG sich auch zum Fluch entwickelt hat lesen Sie in Teil 2.

Erfolgreich bewerben, ohne sich zu verkaufen.
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