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Chancengleichheit im Beruf: Wege zu einer diskriminierungsfreien Bewerbung

Als Melanie den großen Briefumschlag sah, war ihr klar: mit dem Job hatte es nicht geklappt. Das war definitiv eine Absage. Trotzdem hielt der Inhalt noch eine Überraschung für Sie bereit: Auf Ihrem Anschreiben hatte jemand mit Bleistift notiert "Achtung, drei Kinder!"

Und damit herzlich willkommen in der wunderbaren Welt der Diskriminierung.

Diese Episode hat sich vor einigen Jahren abgespielt, als Bewerbungen noch auf Papier verschickt wurden. Durch den Umstieg auf Online-Bewerbungen haben die Firmen heute eine Falle weniger, in die sie tappen können.

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Denn seit 2009 ist es gesetzlich verboten, bei der Auswahl von Bewerbern etwas anderes heranzuziehen als die Qualifikation. Alter, Geschlecht, Herkunft, Religion, Sexualität – das alles darf keine Rolle spielen.

Und seitdem das im Gesetz steht, ist alles gut - oder?

Leider nein.

Die Antidiskriminierungsstelle des Bundes hat letzte Woche ihren aktuellen Jahresbericht vorgestellt, und der zeichnet ein anderes Bild: 11.000 Fälle von Diskriminierung wurden offiziell erfasst, und die meisten davon auf dem Arbeitsmarkt

Ausmaß der Diskriminierung im Arbeitsmarkt laut Jahresbericht

Es gibt unterschiedliche Gründe, warum jemand bei der Jobsuche benachteiligt wird. Hier ist die aktuelle "Hitliste" zusammen mit den Gedanken, die die Firmen sich dazu machen.

Die häufigsten Diskriminierungsgründe sind:

  • Alter: Das gilt in beide Richtungen. Wer zu alt ist, der ist womöglich nicht mehr leistungsfähig oder hat den Anschluss an moderne Technik verloren. Und wer zu jung ist, hat noch zu wenig Erfahrung.
  • Geschlecht: Hier sind vor allem Frauen betroffen. Es geht um Frauen in dem Alter sind, in dem sie Kinder bekommen könnten. Oder sie haben Kinder und müssen ständig nach Hause, weil der Kleine krank ist.
  • Herkunft: Diesen Faktor hat man in wissenschaftlichen Studien untersucht und belegt. Ein Markus muss deutlich weniger Bewerbungen verschicken als ein Murat.

Meine Erfahrungen und Erkenntnisse

In meiner Arbeit als Bewerbungscoach begegne ich vielen Menschen, die Diskriminierung im Bewerbungsprozess erleben. Allerdings möchte ich auch ein paar beruhigende Worte loswerden:

Nicht jede Diskriminierung ist wirklich passiert.

Ein typisches Beispiel: Eine Frau, Mitte 50, hat unzählige Bewerbungen verschickt und keine einzige Einladung erhalten. Da kommt sie schnell zu der Schlussfolgerung: "Ich bin zu alt, deswegen nimmt mich keiner!"

Dann komme ich ins Spiel und schaue mir ihre Unterlagen an. Und die sind einfach nicht gut. Sie sind zu lang, zu kompliziert oder es fehlen wichtige Informationen.

Die Bewerberin wurde nicht abgelehnt, weil sie zu alt war – sie wurde abgelehnt, weil niemand Zeit hatte, sich mit ihren Unterlagen auseinanderzusetzen.

Ich erstelle neue Unterlagen für sie und siehe da: Plötzlich klappt es mit dem Job.

Ist das fair? Natürlich nicht!

In einer perfekten Welt würde die Firma sich hinsetzen und jede Bewerbung aufmerksam von Anfang bis Ende lesen.

Doch wir leben nicht in einer perfekten Welt. Wenn ich 10 Minuten für eine Bewerbung brauche und sich 200 Kandidaten beworben haben und ich gerade drei Stellen zu besetzen habe – dann bräuchte ich über 11 Stunden um alle Unterlagen zu lesen. 11 Stunden ohne Unterbrechung.

Dann habe ich mich noch nicht mit Kollegen über die einzelnen Kandidaten ausgetauscht, habe noch keine einzige Einladung für ein Gespräch organisiert und noch keine einzige E-Mail verschickt.

Keine Firma hat die Zeit, jeder Bewerbung dieselbe Chance zu geben.

Deswegen ist mein Motto: "Mach es der Firma so einfach wie möglich, dich gut zu finden."

Rechtliche Rahmenbedingungen und Schutzmaßnahmen

In Deutschland schützt das Allgemeine Gleichbehandlungsgesetz (AGG) vor Diskriminierung im Berufsleben. Doch, ich persönlich stehe mit dem Gesetz ein wenig auf Kriegsfuß – warum ich kein großer Fan des AGG bin, kannst du hier nachlesen.

Ja, das Gesetz verbietet jede Form der Diskriminierung – doch wie willst du das als Bewerber nachweisen? So etwas wie die Bleistift-Notiz am Anfang dieses Artikels gibt es heute nicht mehr. Die Firmen lassen sich bei der Auswahl ihrer Bewerber nicht mehr in die Karten schauen

Das Einzige, was meiner Meinung nach wirklich etwas ändern würde: die anonyme Bewerbung.

Stell dir vor, in deiner Bewerbung müsste nur noch stehen, was du gelernt hast, was du auf deinen bisherigen Stationen für Aufgaben hattest und wie man dich erreichen kann.

Wenn die Firma gar nicht erst mehr Informationen über dich hätte, dann müsste sie aufgrund der Qualifikation entscheiden. Sie hätte gar keine Möglichkeit, dich wegen Geschlecht, Alter oder Herkunft auszuschließen.

Und jetzt kommt das Verrückteste überhaupt: Genau das gab es in Deutschland schon. 2009 und 2010 haben sich mehrere Unternehmen in einem Pilotprojekt zusammen getan und genau das umgesetzt. Sie haben freiwillig jede Bewerbung gleich nach Empfang anonymisiert und erst dann in die jeweiligen Abteilungen weitergegeben.

Und was ist passiert? Der Bewerbungsprozess wurde inklusive und gerechter. Es wurden insbesondere deutlich mehr Frauen eingestellt.

Alle Beteiligten kamen am Ende des Projekts zu dem Schluss: durch die Anonymisierung hat sich wirklich etwas verändert, es war für alle Seiten besser.

Und dann?

Dann sind sie wieder zum alten Schema zurückgekehrt. Und die anonyme Bewerbung wurde still und leise beerdigt. Vermutlich in einem anonymen Grab.

Warum der Schwung und die tollen Ergebnisse dieses Projekts nicht ausgenutzt wurden, um der anonymen Bewerbung Rückenwind zu geben?

Frag mich was Leichteres.

Künstliche Intelligenz als Hoffnungsträger

Mittlerweile bringen viele Unternehmen die künstliche Intelligenz ins Spiel und versprechen, dass dadurch die Auswahlprozesse gerechter werden.

Ich teile diese Hoffnung nicht.

Ich glaube nicht daran, dass eine KI in naher Zukunft bessere Entscheidungen treffen wird als die heutigen Personaler. Denn eines darf man dabei nicht vergessen: Eine KI bekommt ihr Wissen aus alten Daten beigebracht.

Um den perfekten Personaler-Bot zu kreieren, würde man die Maschine mit möglichst viel historischen Bewerbungen und den jeweiligen Entscheidungen der Firmen füttern. Und daraus würde die KI dann ableiten, was den "richtigen" Bewerber ausmacht.

Sie würde also lernen, den heutigen Prozess bis ins kleinste Detail nachzubilden. Und dann würde sie die heutigen Vorurteile ebenfalls umsetzen - nur schneller und konsequenter.

Mehr Meinungen dazu

Zu diesem Thema wurde ich unter anderem vom SWR und WDR interviewt. Einen Mitschnitt dieser Interviews findest du im Pressebereich.

Mich würde sehr interessieren: Was denkst du? Erlebst du Diskriminierung? Hast du das Gefühl, gut davor, geschützt zu sein? Und was würdest du dir als Abhilfe wünschen?

Ich freue mich sehr, wenn du dir ein wenig Zeit nimmst und mir schreibst.

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